Wirtschaft : „Es geht nicht ohne Gentechnik“

Frau Heinen, Sie sind Mutter einer kleinen Tochter. Bekommt sie Biokost?

Ja sicher, auch.

Ist es Ihnen egal, ob die Biomöhre aus Brandenburg oder Bulgarien kommt?

Mit ist wichtig, dass die Produkte aus regionalem Anbau sind.

Dann haben Sie wohl ein Problem: Immer mehr Biolebensmittel werden importiert, da deutsche Biobauern nicht genug produzieren. Kritiker sehen die Schuld auch bei der Regierung, weil sie zu wenig Anreize bei der Umstellung auf Ökoanbau setzt.

Davon kann keine Rede sein. Wir haben gerade beschlossen, das Bundesprogramm Ökologischer Landbau fortzuführen und den Ökolandbau auch 2008 mit 16 Millionen Euro zu fördern. Davon wird immer mehr in die Forschung gesteckt und immer weniger in allgemeine Informationsmaßnahmen. Die Nachfrage ist auch so groß genug. Unser Ziel ist, dass möglichst viel von heimischen Bauern produziert wird. Jedoch ist auch klar: Produkte wie Bananen und Kaffee müssen importiert werden.

Landwirte, die Energiepflanzen produzieren, erhalten über die Einspeisevergütung umgerechnet 2000 Euro je Hektar. Bauern, die auf Öko umstellen wollen, gerade mal 137 Euro. Fördern Sie damit nicht auch die Rückkehr zur Massenproduktion?

Unsere Energiereserven sind endlich. Ohne erneuerbare Energien werden wir unseren Energiebedarf künftig nicht decken können, deshalb hat sich die Bundesregierung hier ehrgeizige Ziele gesetzt. Energie aus Pflanzen kann erheblich zur Energieversorgung beitragen. Eine gewisse Nutzenkonkurrenz von Energiepflanzen und Lebensmitteln ist dabei unvermeidlich. Im Übrigen können Sie die Förderbeträge nicht direkt vergleichen. Mit der Einspeisevergütung müssen erhebliche Investitionen abgedeckt werden, denn Biogasanlagen sind heute meist Investitionen in Millionenhöhe.

Die Koalition hat gerade beschlossen, dass Fleisch und Milch die Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ tragen dürfen, auch wenn gentechnisch veränderte Zusatzstoffe drin sind. Wird der Verbraucher nicht an der Nase herumgeführt?

Die Kritik kommt vor allem aus der Futtermittelindustrie, die befürchtet, dass sie den Rohstoffbezug und ihre Herstellungsprozesse entsprechend der zunehmenden Nachfrage nach „Ohne-Gentechnik-Erzeugnissen“ anpassen muss. Das kann ich verstehen. Denn Sojafuttermittel kommen häufig aus Argentinien oder den USA und sind heute zu einem Großteil gentechnisch verändert. Wir wollen mit der neuen Kennzeichnung erreichen, dass Verbraucher wählen können zwischen Produkten von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Futterpflanzen gefüttert wurden oder ohne.

Warum werden dann gentechnisch veränderte Zusatzstoffe toleriert?

Weil es oft nicht anders geht. Bei bestimmten Vitaminen gibt es schon Engpässe. Diese können nur mithilfe gentechnischer Verfahren in ausreichender Menge produziert werden. Zudem sind solche Zusatzstoffe nur mithilfe gentechnisch veränderter Organismen hergestellt. Sie selbst sind also keine GVO-Produkte und unterscheiden sich auch nicht von den konventionellen Zusatzstoffen.

Wegen drastisch gestiegener Milchpreise plant die EU-Kommission eine Anhebung der Milchquote, die die Produktionsmenge bis 2015 festzurrt. Deutschland wehrt sich dagegen. Gönnen Sie den Verbrauchern keine niedrigeren Preise?

Die Quote wird in diesem Jahr ohnehin um 0,5 Prozent steigen. Eine weitere Erhöhung um zwei Prozent werden wir nicht unterstützen. Das würde viele deutsche Milchbauern überfordern.

Ursula Heinen (CDU)

ist parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Das Interview führte Maren Peters.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben