Wirtschaft : „Es geht zuerst um die Optik“

Desinfektionsmittelsindüberflüssig

-

HENNING RÜDEN

ist Leiter

des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin

an der Freien Universität Berlin.

Foto: promo

Herr Rüden, rufen Sie jetzt alle Hausfrauen und -männer zum Frühjahrsputz auf?

Nein. Ich halte es für besser, wenn regelmäßig staubgewischt und geputzt wird. Im Schlafzimmer und in den Wohnräumen reicht es vielleicht aus, nur alle paar Monate eine Grundreinigung zu machen. Aber in den Räumen, wo viel Feuchtigkeit entsteht, wie in Küche oder Bad, ist das Putzen auf jeden Fall öfter notwendig.

Warum muss man hier öfter putzen?

Das hat vor allem ästhetische Gründe. Die Schmutzränder, die sich hier bilden, sehen einfach hässlich aus.

Es geht Ihnen gar nicht um das Vernichten gefährlicher Bakterien?

Nein, in erster Linie geht es um die Optik. Gefährliche Bakterien gibt es im normalen Haushalt nicht, es sei denn, ein Familienmitglied leidet unter einer infektiösen Erkrankung wie etwa Tuberkulose.

Heißt das, antibakterielle Reiniger und Desinfektionsmittel sind im Haushalt überflüssig?

Die chemischen Keulen sind sehr umstritten. Ich halte überhaupt nichts davon. Die Mittel können sehr leicht Allergien auslösen, wenn sie an die Haut gelangen oder eingeatmet werden. Unter gesundheitlichen Gesichtspunkten ist es besser, man verzichtet darauf. Denn Desinfektionsmittel richten sich auch gegen die natürliche Flora. Dann besteht sogar die Gefahr, dass sich unerwünschte Bakterien erst recht vermehren.

Zum Beispiel in der Küche?

Natürlich sollte man gewisse Grundregeln der Hygiene einhalten, besonders in der Küche. Das Tauwasser eines Tiefkühlhühnchens sollte wegen der Salmonellengefahr zum Beispiel nicht mit der Sahnetorte in Berührung kommen, die nicht in den Backofen kommt. Aber es reicht völlig aus, die Schüssel mit dem Tauwasser heiß auszuspülen.

Wie heiß muss das Wasser sein?

Je heißer desto besser. 60 bis 70 Grad reichen aber aus. Das ist in etwa die Temperatur, mit der das Wasser aus dem Heißwasserhahn läuft.

Und womit sollte man nun putzen?

Normale Reinigungsmittel oder Essig reichen völlig aus. Dabei belastet Essig die Umwelt deutlich weniger als chemische Mittel und er hilft wunderbar gegen Kalkreste.

Das Gespräch führte Corinna Visser.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben