Wirtschaft : „Es gibt etwas zu verteilen“

Die Chancen der Stadt als nationaler Showroom

Foto: Berlin Partner GmbH
Foto: Berlin Partner GmbH

Herr Gurka, kommende Woche legen die Arbeitsgruppen der Nationalen Plattform Elektromobilität ihren Zwischenbericht vor. Wird es mehr Geld geben?

Man kann nicht erwarten, dass es konkrete Finanzierungszusagen oder insgesamt mehr Geld für die Forschung und Entwicklung der Elektromobilität geben wird. Ich denke, der Bericht wird auf einer abstrakteren Ebene bleiben und nicht die konkreten Zusagen machen, die sich vielleicht einige in der Industrie erhoffen.

Steigen denn die Chancen für Berlin, der nationale Showroom der Bundesregierung für die Elektromobilität zu werden? Aus den acht deutschen Modellregionen sollen ja zwei ausgewählt werden.

Ich erwarte noch keine Festlegung, das wäre sehr früh. Berlin hat aber viele Wettbewerbsvorteile. In der größten Stadt Deutschlands leben besonders viele Menschen, die wie sonst nirgendwo verschiedene Verkehrsträger nutzen. Die Berliner setzen sich schon heute, mehr als Bochumer oder Hamburger, mit dem Thema Mobilität im Alltag auseinander. Berlin ist außerdem neutraler Boden: Hier ist kein Autobauer dominant, deshalb können alle alles zeigen. Und nicht zuletzt gibt es eine konkurrenzlose Forschungslandschaft.

Berlin will sich als Standort für die Batteriefertigung profilieren. Warum ausgerechnet Berlin?

Ein neues Produktionswerk für Autos in Berlin anzusiedeln wird sehr schwierig. Und Zulieferer wie Bosch oder ZF werden nicht nach Berlin umziehen, nur weil wir das schönste Logo haben. Aber in der Batterieentwicklung und -produktion oder der Komponentenfertigung sind die Ressourcen noch nicht verteilt. Berlin könnte ein zukünftiger Standort für die Batterieproduktion sein. Es gibt schon eine Reihe produzierender Firmen in der Region, die sich intensiv mit Elektromobilität beschäftigen – zum Beispiel Continental, Daimler in Marienfelde, E-Rockit oder demnächst womöglich BMW mit dem Elektroroller. Daran kann man anknüpfen.

Müssten Sie als Standortwerber nicht mehr für die Ansiedlung tun?

Wir sind dabei. Es gibt derzeit Unternehmen, die einen Standort für die Batterieproduktion suchen. Da müssen wir mit allen Möglichkeiten ein gutes Angebot machen. Es gibt etwas zu verteilen.

Können Sie Namen nennen?

Bekannt ist, dass der chinesische Hersteller BYD einen Standort in Europa sucht. Andere asiatische Unternehmen, zum Teil gemeinsam mit deutschen Firmen, ebenfalls. Da geht es um eine Investition in dreistelliger Millionenhöhe. Berlin hat Chancen, die wir nicht verspielen dürfen.

Das Interview führte Henrik Mortsiefer

René Gurka (39)

ist seit 2007

Geschäftsführer der Berlin Partner GmbH. Sie ist die federführende Trägerin der neuen Berliner Agentur für Elektromobilität EMO

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