Wirtschaft : „Es gibt keinen Big Bang“

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Herr Erber, die Deutsche Telekom ist nicht das einzige einzige Telekommunikationsunternehmen, das in der Krise steckt. Wann legt die Branche endlich los?

Jetzt befindet sich der Sektor noch in der Konsolidierungsphase. Und danach wird ganz betsimmt kein dramatischer Big Bang erfolgen. Dafür steckt die Branche in einer zu ernsten Krise.

Wo denn?

Im Mobilfunk zum Beispiel hat entgegen der Erwartung kein schneller Übergang zu breitbandiger Mobilfunkkommunikation statt gefunden. Die Nutzerzahlen sind immer noch gering. Kurzfristig, so bis zu den Jahren 2003, 2004, wird sich UMTSnur moderat entwickeln. Bei der Vorläuferstufe GPRS hat sich bisher schließlich auch noch kein Riesenerfolg gezeigt.

Aber die Leute wollen doch sicher bald die neuen Multimedia-Dienste nutzen?

Das glaube ich nicht. Mangelndes Angebot von attraktiven Diensten ist eines der größten Hindernisse. Mit Multimedia-Inhalten Geld zu verdienen, wird sich als sehr schwierig erweisen.

Warum?

Erstens ist es teuer, da die hohen Lizenzkosten noch nicht abgeschrieben sind. Bei der momentanen wirtschaftlichen Lage wird sich jeder genau überlegen, ob er 100 Euro im Monat für seine Handyrechnung zahlen möchte. Außerdem gibt es ja noch nicht einmal die Basisinfrastruktur. Nur Motorola hat bisher ein UMTS-Handy herausgebracht.

Haben die Datenübertragungstechniken, in die auch die Telekom kräftig investiert hat, nicht großes Potenzial?

Nein, denn die entsprechende Nachfrage nach den neuen Netzen besteht nicht. Die Telekom-Unternehmen sind deswegen überschuldet. Das Risiko, das man sich fundamental verkalkuliert hat, ist groß. Und dann wäre es schwierig , das Geschäft wieder profitabel zu machen.

Und wie sieht es in der gesamten IT-Branche aus?

Die IT-Branche kann sich auf Investitionszyklen verlassen. Schließlich müssen Unternehmen wieder neue PC’s kaufen, wenn die alten verschlissen sind. Nachdem Ende des Jahrtausends alle massiv in Hard- und Software investiert haben, wird es bald Bedarf nach Ersatz geben

Das Gespräch führte Flora Wisdorff.

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