Wirtschaft : Es gibt zu viele unseriöse Berater in Deutschland

Die größte Fondsgesellschaft der Welt, Fidelity Investments, verwaltet ein Vermögen von insgesamt 620 Mrd.Dollar.Das US-Unternehmen will stärker als bisher seine Präsenz in Europa und Deutschland ausbauen.Henrik Mortsiefer sprach mit Jan Nyholm, Leiter des Deutschlandgeschäfts von Fidelity, über deutsches Anlegerverhalten, unseriöse Berater und neue Vetriebswege.

TAGESSPIEGEL: Herr Nyholm, die Deutschen entdecken seit geraumer Zeit den Aktienmarkt.Glauben Sie, daß das Interesse auch einen Börsen-Crash überlebt?

NYHOLM: Viele Anleger kennen nur den Bärenmarkt, also steigende Kurse.Eine Talfahrt haben die wenigsten mitgemacht.Das birgt sicher Risiken.Das beeindruckende Anlegerverhalten während der Asienkrise zeigt uns aber, daß wir keine Panik zu fürchten haben.In unseren Asienfonds steckt immer noch relativ viel Geld, weil die Anleger ihr Kapital langfristig investiert haben.Hier zahlt sich gute Beratung aus.Insgesamt beobachten wir, daß die deutschen Anleger internationaler werden.Für Fidelity ist das ein großer Vorteil, weil wir als global investierende Gesellschaft mit weltweitem Research für jeden etwas anbieten können.

TAGESSPIEGEL: Sie vermarkten rund 50 Fonds in Europa.Welches Produkt läuft in Deutschland besonders gut?

NYHOLM: Gefragt sind vor allem unser European Growth Fund und der International Fund.Beide weisen eine überdurchschnittliche Performance auf und eigenen sich besonders für Anfänger.

TAGESSPIEGEL: Als bankenunabhängige Fondsgesellschaft ist Fidelity auf die Zusammenarbeit mit freien Finanzberatern angewiesen.Behindert das die Vermarktung Ihrer Produkte?

NYHOLM: Das Fondsgeschäft in Deutschland steckt noch in den Kinderschuhen und wird von den Großbanken dominiert.Wer in Fonds investiert, wählt in der Regel ein Produkt seiner Hausbank.Die Hemmschwelle, zu einer unabhängigen Gesellschaft zu wechseln, ist hoch.Die Geldinstitute öffnen sich zwar für Konkurrenz-Produkte, weil die Kunden danach fragen.Unser Hauptgeschäft läuft aber über unabhängige Finanzdienstleister, die Fidelity-Produkte vertreiben.Leider gibt es hierzulande zu viele unseriöse Berater, weil die Gesetze zu viel Spielraum für dubiose Geschäfte lassen.

TAGESSPIEGEL: Wie stellen Sie sicher, daß Fidelity-Fonds seriös verkauft werden?

NYHOLM: Wir lassen alle Bewerber einen umfangreichen Fragenkatalog beantworten.Die, die dann in die engere Wahl kommen - und das sind die wenigsten -, nehmen wir noch einmal unter die Lupe.Wir wollen wissen, welche Produkte sonst noch vertrieben werden, welche Qualifikation vorhanden ist, wie gut die Infrastruktur ausgebaut ist.Trotz dieser genauen Prüfung mußte sich Fidelity in den vergangenen zwei Jahren von zwei Dritteln seiner Berater wieder trennen, weil die Qualität zu wünschen übrig ließ.Derzeit arbeiten wir mit etwa 800 Beratern in Deutschland zusammen.Das verwaltete Vermögen beläuft sich auf rund 5 Mrd.DM.

TAGESSPIEGEL: Ein Vertriebsweg, den Sie ausbauen, ist das Internet.Sind die Sicherheitsrisiken nicht zu groß?

NYHOLM: Die Verschlüsselungstechnologie, die wir einsetzen, entspricht den höchsten in Europa zugelassenen Sicherheitsstandards.Wir fühlen uns damit so sicher, daß wir unseren guten Namen dafür einsetzen.Etwa 500 Fidelity-Mitarbeiter nutzen unser spezielles Angebot für Berater.Dort können per Mausklick Depotkosten, Wertentwicklungen und Veränderungen des Portfolios abgerufen werden.Unsere Kunden werden künftig im Internet Fonds kaufen und Depots eröffnen können.

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