• Es hat jeden von uns längst eingeholt - Roland Benneke lässt sich nicht beunruhigen und erklärt warum

Wirtschaft : Es hat jeden von uns längst eingeholt - Roland Benneke lässt sich nicht beunruhigen und erklärt warum

Der Autor ist Banker,verwendet ein Psydonym

Würde die Erde von einem Weltparlament regiert, das sich mit einer Fünf-Prozent-Klausel gegen Weimarer Verhältnisse zu schützen hofft, wären die Deutschen dort wohl nicht vertreten. Die Globalisierung rückt, was wir als groß und maßgeblich anzusehen gewohnt sind, wieder in die richtige Dimension zurecht. Auch wenn es des Wertverfalls des Euros nicht bedurft hätte, Denkmäler der deutschen Wirtschaftsgeschichte dieser Tage zur Disposition gestellt zu sehen, die Welt wird desto beherzter "einkaufen" gehen im Markt für deutsche Unternehmen.

Gute Noten verdienen Allianz (Kursplus von 40 Prozent im vergangenen halben Jahr) und Deutsche Bank (plus 18 Prozent), gerade auch weil die herrschende Meinung nicht begriffen zu haben scheint, wie klug der Entschluss war, sich mit vereinten Kräften den neuen Größenordnungen einer globalen Finanzwirtschaft anzupassen. Der Versuch einer Zusammenführung von Deutscher Bank und Dresdner Bank (minus neun Prozent) war nur ein Nebenprodukt dieser weitsichtigen Annäherung der lokalen Giganten.

Nur wenige Wochen nach dem spektakulärsten Coitus Interruptus, der wohl jemals zwei deutschen Privatbanken unterlaufen ist, gilt vielen das blau-grüne Tête-à-tête schon als Schnee von gestern. Mit ihrer Vergesslichkeit sind Investoren jedoch Komplizen, in gewissem Maße sogar Verursacher des viel beklagten Kurzfristdenkens der Kapitalmärkte. Tatsächlich bleiben die Geschehnisse um die zunächst gescheiterte Fusion aktuell für die künftige Gestaltung des Finanzplatzes Deutschland.

Das Wagnis, die Dresdner Bank in toto zu schlucken, kam der Einnahme einer poison pill gleich; zum Schutz gegen die Gefahr einer unliebsamen Vereinnahmung der Deutschen Bank, die bis heute nicht zufrieden sein kann mit dem Kurs ihrer Aktie. Ein cleverer Schritt, denn das blau-blaue Tandem aus München und Frankfurt hatte es verstanden, eine Selbsttherapie auszuklügeln, mit der sich in taktisch entgegenkommender Verzögerung die grüne Giftpille abbauen ließe: durch geschicktes Durchhandeln der unverträglichen Teile und Resorption der synergetisch brauchbaren Filetstücke.

Das Problem Dresdner Bank, für das der grenzüberschreitende Ohrfeigen austeilende Chef von ABN Amro keinen Platz in seinem Konzern sah und schon gar kein Geld zahlen mochte, lastet einstweilen weiter auf der Allianz. Und sie wird einen Teufel tun, ihr Sorgenkind an einen oder mehrere Bieter abzugeben, die in der Lage sind, das grüne Band schwindender Sympathie als Ganzes oder in Teilen in eine Struktur einzubinden, welche den Wettbewerbsinteressen von Allianz und Deutscher Bank entgegenlaufen.

Das, was die Dresdner Bank beim stolzen Verkünden ihrer scheinbar wiedergewonnenen Selbstständigkeit nun "ihre Strategie" intensivierter Divisionalisierung (Aufspaltung in freistehende Teilbanken) nennt, ist nichts anderes als die Perforation der Bestandteile des Konzerns, die sich desto leichter werden abtrennen und gesondert an Kaufinteressenten aushändigen lassen. Man mag den Schluß ziehen: bei der Gestaltung des Fatums der Dresdner Bank bleiben die originärsten Absichten der Allianz und der Deutschen Bank federführend.

Die Schicksalsgötter befleißigen sich seit dem Fusionsdesaster subtilerer Techniken des Marionettenspiels, doch nur weil sie gelernt haben: Gehst Du zur Dresdner Bank, vergiß die Peitsche nicht.Der Autor ist Banker und verwendet ein Psydonym

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