Wirtschaft : Es ist angerichtet

Nicht selber kochen, liefern lassen: Der Berliner Catering-Markt ist bunt und zugleich hart umkämpft.

von
Die drei vom Buffet. Der Berliner Caterer Optimahl richtet auch kurzfristig noch Weihnachtsfeiern aus. Foto: Bildschön
Die drei vom Buffet. Der Berliner Caterer Optimahl richtet auch kurzfristig noch Weihnachtsfeiern aus. Foto: Bildschön

Berlin - Shrimps und Prosecco im Stehen, Paprikalasagne am Buffet oder Gänsekeule beim gesetzten Essen: Das Geschäft mit der mobilen Gastronomie in Deutschland floriert. Eine vom Fachmagazin Catering Inside in Auftrag gegebene Studie hat 2010 einen Umsatz von 3,8 Milliarden Euro errechnet. Bis 2015 soll der Umsatz demnach deutschlandweit auf rund fünf Milliarden Euro wachsen. Dabei tut sich in Berlin besonders viel. Politische Vertretungen, Lobbygruppen und Firmen haben einen interessanten Markt für Caterer geschaffen.

Dass der Markt insgesamt wächst, hat mit dem veränderten Essverhalten der Menschen zu tun, sagt Mirko Mann, Geschäftsführer von Optimahl Catering in Berlin. „Sie gehen zunehmend außer Haus essen.“ Davon profitieren Gastronomen und Caterer. Auch Privatpersonen buchen die Dienste professioneller Essenslieferanten, gerade zu den Feiertagen. Außerdem haben in Deutschland noch relativ viele große Firmen eigene Gastronomieabteilungen, die nach und nach aus Kostengründen ausgelagert werden und neue Geschäftsmöglichkeiten für die Caterer bieten. In Berlin sieht Mirko Mann auch den neuen Flughafen BER als Wachstumstreiber für die Branche. Mann ist seit 1994 im Geschäft und macht knapp acht Millionen Euro Umsatz.

Die Hauptstadt spielt beim Catering eine Vorreiterrolle, hat Hans Jürgen Krone, Chefredakteur von Catering Inside, beobachtet: „Der Berliner Markt ist der spannendste, weil sich hier viel entwickelt.“ Ob Bio-Fleisch, kreolische Küche oder vegane Gerichte, Essen auf Inseln, in Museen oder Industrieanlagen, in Berlin gibt es fast nichts, was es nicht gibt. „Es herrscht viel Fantasie im Markt“, sagt Krone. Doch ist der Markt auch hart umkämpft. In den Krisenjahren 2008 und 2009 hätten sich zu den bestehenden Anbietern Hotels gesellt. „Deren Küchen waren in der Zeit nicht ausgelastet, und als Hotel hat man bereits eine Marke, um sich zu verkaufen“, sagt Krone.

Dass das Hotel Berlin, Berlin 2009 mit dem Vip-Catering für den Handballclub Berliner Füchse begonnen habe, sei Zufall und habe nichts mit der Krise zu tun, sagt Geschäftsführerin Cornelia Kausch. Seitdem wird ihr Haus regelmäßig für das Essen zu Tagungen ab 200 Personen aufwärts gebucht. In diesem Bereich rechnet sie für 2012 mit einer Umsatzsteigerung um 20 Prozent, denn das Tagungs- und Messegeschäft in der Hauptstadt wachse. Den Markt in Berlin hält sie allerdings für gesättigt. „Ich würde mich hier nicht mehr als Caterer selbstständig machen.“

Um sich vom großen Angebot absetzen zu können sei es gut, einen besonderen Veranstaltungsort exklusiv bespielen zu können, sagt Lars Tretzack. Er ist Geschäftsführer der Pace Paparazzi Catering & Event, die in der Hauptstadt 155 Mitarbeiter beschäftigt. Pace etwa hat die Ullstein-Halle im Portfolio, Konkurrentin Sarah Wiener beliefert Veranstaltungen im Hamburger Bahnhof, Kofler & Kompanie das Deutsche Historische Museum.

Nach dem Umsatzeinbruch verlangt die Branche aktuell wieder in etwa die Preise von vor der Krise – ab rund 25 bis 30 Euro pro Person für ein einfaches Buffet. „Aber es kann auch das Mehrfache kosten“, sagt Krone. Meist entscheidet der Preis über den Abschluss eines Bewirtungsvertrags. Das machen nicht alle Anbieter mit. „Wir definieren uns sehr stark über die Qualität unseres Produktes“, sagt Pace-Geschäftsführer Tretzack. „Ein Drei-Gang-Menü für 30 Euro pro Person können wir gar nicht anbieten.“ Konkurrent Mann führt die steigenden Preise für Kakao, Fleisch, Kaffee und Mehl an. „Gewisse Dinge müssen teurer werden“, sagt er.

Immer mehr Kunden buchen kurzfristig. Auch jetzt gehen noch Anfragen für Firmenfeiern vor den Weihnachtstagen ein. Optimahl nimmt noch Aufträge an. Doch es gebe nicht mehr viele freie Veranstaltungsorte, sagt Mann. „Aber es kann auch nett sein, wenn Weihnachtsbäume in der Autowerkstatt aufgestellt werden.“

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben