Wirtschaft : "Es muß eine Fusion von Gleichwertigen geben"

Nach der Fusion von British Aerospace mit Marconi Electronic Systems haben sich die Perspektiven für die Neuordnung der europäischen Luft- und Raumfahrtindustrie verändert.Wie geht es weiter? Mit Siegmar Mosdorf (SPD), , dem Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrtindustrie, sprach Martina Ohm.

TAGESSPIEGEL: Herr Mosdorf, müssen jetzt die Pläne zur Gründung der Airbus AG und eines europäischen Verteidigungskonzerns ad acta gelegt werden?

MOSDORF: Nein.Eine leistungsstarke private Airbus AG muß kommen; schon weil sich der Wettbewerb weiter verschärft.Und das gilt nicht nur für den zivilen Bereich.

TAGESSPIEGEL: Das heißt, Europa bekommt auch seinen Verteidigungskonzern?

MOSDORF: Auch das ist nur eine Frage der Zeit.Alle Partner haben erklärt, daß sie den Zusammenschluß der großen europäischen Luft- und Raumfahrtunternehmen unverändert anstreben.Die Verhandlungen zwischen Dasa und British Aerospace waren der Versuch, einen weiteren Zwischenschritt in diese Richtung zu unternehmen.

TAGESSPIEGEL: Was wird aus dem Super-Jumbo? Dürfen die Deutschen noch auf die Produktion hoffen?

MOSDORF: Natürlich.Die Gespräche laufen weiter.Und wenn man bei Großflugzeugen keine Monopolstellung hinnehmen will, muß es sogar bald eine positive Entscheidung zum A3XX geben; möglichst noch in diesem Jahr.Die Bundesregierung wird sich besonders dafür einsetzen, daß die Endmontage des Großraumflugzeuges in Deutschland stattfindet.

TAGESSPIEGEL: Sie haben einen "Zusammenschluß von Gleichberechtigten" gefordert.Wie soll das funktionieren?

MOSDORF: Es muß einen Zusammenschluß von Gleichwertigen geben und die Deutschen müssen gleichgewichtig im Management vertreten sein.Eine solche Partnerschaft ist angesichts der strategischen Bedeutung der Branche sowohl in wirtschafts- als auch in außen- und sicherheitspolitischer Hinsicht bedeutsam.

TAGESSPIEGEL: Welche Vorteile hätten eine deutsch-amerikanische Verbindung oder der deutsch-französische Schulterschluß?

MOSDORF: Ein US-Partner könnte für die Dasa eine unternehmenspolitische attraktive Alternative darstellen.In diesem Fall aber würde ein europäisch integriertes Unternehmen in weitere Ferne rücken.Eine engere Zusammenarbeit mit den Franzosen wäre dagegen klar ein Schritt in Richtung Europa.

TAGESSPIEGEL: Was bringt ein Dreiklang von Paris, London und München?

MOSDORF: Eine europäische Formation in dem Industriezweig wäre nicht nur auf dem Weltmarkt erfolgreicher, was Jobssicherer macht.Größere Serien führen zu geringeren Kosten; auch für die Regierungen als Auftraggeber und mithin für die Steuerzahler.

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