Wirtschaft : Es muss nicht immer Kellnern sein

Touristenbegleiter, Flirt-Chatter, Geisterbahn-Gespenst: Anstatt zu kellnern oder Nachhilfe zu geben, gibt es für Studenten viele ausgefallene Jobs, die Spaß machen – oder gutes Geld versprechen

Kellnern oder Nachhilfe geben sind die Klassiker unter den Studentenjobs. Es gibt aber auch ganz andere Wege, um sich das Studium zu finanzieren: Als Spielkonsolen-Tester zum Beispiel, oder als erotische Stimme beim Telefonsex. Die Bandbreite exotischer Jobs ist groß. Einige davon laufen ganz sicher unter der Rubrik „Ich war jung und brauchte das Geld“. Aber es gibt auch echte Glückstreffer unter den Nischenangeboten.

Oft muss man gar nicht lange nach solchen Offerten suchen. Wer sich durch Anzeigen im Internet klickt, stößt unweigerlich auf Stellen, mit denen er wahrscheinlich kaum gerechnet hätte. Selbst im Jobportal der Bundesagentur für Arbeit wird ein „Mitarbeiter m/w für textbasierten Flirt Chat“ gesucht – einen professionellen Umgang mit dem Thema Erotik wird vorausgesetzt.

Der Traum vieler Frauen dürfte bei einem Angebot auf Jobanova.de in Erfüllung gehen. Eine Firma sucht dort Testkäufer. Den ganzen Tag lang hat man nicht anderes zu tun, als durch Boutiquen und Kaufhäuser zu ziehen. Auf der Seite Studentjob.de wird ein professioneller Party-Gänger gesucht. Für acht Euro die Stunde sollen Bewerber Touristen durch die Kneipen der Stadt führen und mit ihnen feiern. Und bei der Spielbank in Wiesbaden haben Studenten die Chance, als Croupier zu arbeiten und in dem Millionenspiel die Jetons zu verwalten.

In Freiburg hat ein Geisterbahn-Betreiber an der Universität nach lebenden Gespenstern gesucht. Und bei der Jobvermittlung des Studentenwerks Heidelberg war ein Unternehmer auf der Suche nach Gogo-Tänzern, erinnert sich Sprecherin Nora Gottbrath. „Auch Aktmodelle für die Heidelberger Schule für Kunst werden des Öfteren gesucht.“ Daneben gibt es kuriose Jobs, die zwar eher wenig Freude machen, aber wegen der guten Bezahlung trotzdem attraktiv klingen. Der Karriereberater Jochen Mai aus Kerpen hat ein Beispiel parat: Ein Freund habe im Studium Dosen mit abgelaufenem Hundefutter entsorgt. Wenn das Futter vergammelt war, standen die Dosen mächtig unter Druck. In einem Ganzkörper-Kondom hätten Studenten die Dosen öffnen und entsorgen müssen, erzählt Mai. „Das ist ein Job, den eigentlich keiner machen will – aber der bringt richtig Geld.“

Vielen Studenten dürften solche Jobs gerade recht kommen. Jede Stunde, die man arbeitet, fehlt schließlich zum Lernen. Da ist es verlockend, eine Zeit lang die Zähne zusammenzubeißen, dafür aber so viel Geld zu verdienen, dass man dann in Ruhe studieren kann. Aber wie weit sollten Studenten für das schnelle Geld gehen? Bei Tätigkeiten, mit denen sie ihre Gesundheit oder ihren Ruf ruinieren können, mahnen Experten zur Vorsicht. In Internet-Foren schwärmen einige etwa davon, wie viel Geld sich bei Arzneimittel-Tests verdienen lasse. Tatsächlich sind Pharma-Unternehmen ständig auf der Suche nach Probanden. Aber als lockerer, regelmäßiger Studentenjob eigne sich das nicht, sagt Ulrike Schröder von Bayer Schering Pharma in Berlin.

Zur Vorsicht rät Karriere-Berater Mai zudem bei Stellen in der Erotik-Branche. Dort winken zwar oft hohe Stundenlöhne – aber man sollte bei anrüchigen Jobs auch an mögliche Folgen denken, warnt er. „Arbeitet man nach dem Studium in einer Bank und dann tauchen Lack-und- Leder-Fotos von einem auf, dann kann das schon zum Problem werden.“ Ansonsten müsse man sich für seine Jobs als Student aber nicht schämen, findet der Experte. „Jeder Personaler hat Verständnis dafür, dass man sich sein Studium auch irgendwie finanzieren muss.“ dpa

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