Wirtschaft : Es war einmal ein Tandem

Immer wenn Ricke ging, kam Obermann

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Jahrelang waren sie ein gut eingespieltes Team. Immer wenn Kai-Uwe Ricke bei der Deutschen Telekom auf der Karriereleiter einen Schritt nach oben machte, nahm René Obermann als Nachfolger die frei gewordene Position ein. Beide kamen 1998 zur Telekom – Ricke als Chef des deutschen Mobilfunk-Geschäfts, Obermann als sein Mann für den Vertrieb. Dann stieg Ricke zum Chef von T-Mobile International und schließlich 2002 zum Konzernchef auf. Seit dem 13. November 2006 ist das nun Obermann.

Beide Manager kannten sich schon lange bevor sie zur Telekom kamen. Beide leiteten erfolgreiche Konkurrenten des ehemaligen Monopolisten. Doch während Ricke zuvor eine Eliteuniversität besucht hatte, hatte Obermann sein Studium sogar abgebrochen, um sich ganz seinem Unternehmen widmen zu können. Der 43-Jährige legt auch heute noch ein hohes Tempo vor und ist oft zu schnell für seine Mitarbeiter. Der ungeduldige Unternehmertyp ist für viele immer noch ein Fremdkörper in dem ehemaligen Staatskonzern. Doch inzwischen hat er sich auch einiges diplomatisches Geschick angeeignet.

Früher war die Aufgabenverteilung klar: Ricke agierte freundlich und verbindlich, war auf Konsens bedacht. Obermann dagegen setzte die unangenehmen Entscheidungen durch. Jetzt muss er lernen, einen guten Weg zwischen den gegensätzlichen Anforderungen von Kapitalmarkt, Mitarbeitern und Wettbewerb zu finden. Dem seit Jahren dahindümpelnden Aktienkurs soll er auf die Sprünge helfen, fordern die Aktionäre und unter ihnen auch der Bund. Gleichzeitig wollen die Gewerkschaften aber einen weiteren Jobabbau und eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen über die bereits verkündeten Maßnahmen hinaus nicht mitmachen. Dabei agiert die Telekom in einem immer härter werdenden Wettbewerb. Mehr als 1,5 Millionen Festnetzkunden hat der Konzern in diesem Jahr schon an die Konkurrenz verloren. Kein leichter Job – auch nicht für den extrem fleißigen und hoch motivierten Obermann. vis

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