Es werde Licht : Warum Verbraucher manchmal nicht mitspielen
31.08.2011 08:11 UhrVom 1. September an dürfen im gesamten EU-Gebiet keine Glühlampen mit mehr als 40 Watt hergestellt oder verkauft werden. Nur noch Restbestände. Baumärkte berichten von Hamsterkäufen. Dahinter stecken keine renitenten Umwelthasser, sondern schlicht Menschen, die einfach nicht akzeptieren wollen, dass ihr frisch zubereitetes Hühnerbrustfilet auf dem Esstisch unter der alternativen Energiesparlampe aussieht wie graues Gammelfleisch. Selbst der Mann, der vor 25 Jahren die erste Energiesparlampe der Weltöffentlichkeit auf der Hannover Messe präsentierte, sagte einmal: „Im Treppenhaus gern, bei Tisch bitte nicht.“
Tatort Tankstelle: Dort setzt die Bundesregierung mit Hilfe der Mineralölwirtschaft eine EU-Richtlinie durch, die das Ziel verfolgt, den Ausstoß klimaschädlichen Kohlendioxids im Straßenverkehr bis 2020 um 20 Prozent zu senken.
Den Hintergrund haben die meisten Autofahrer schon vergessen in ihrem Ärger über das Instrument, mit dem es durchgesetzt werden soll: In den Tank soll Superbenzin mit einem höheren Anteil pflanzlich erzeugten Ethanols (E10) fließen. Neun von zehn Kunden tun das nicht. Daher kassieren Tankstellen bei ihnen seit Monaten Extra-Geld, um davon später mögliche Strafzahlungen zu begleichen.
In beiden Fällen spielt aus Verbrauchersicht sicher eine Rolle, dass Umweltverbände und andere Experten vielfältige Zweifel an dem ökologischen Nutzen der Maßnahmen geäußert haben. Und die Unternehmen, die die Maßnahmen umsetzen sollen, haben ihre Kunden getäuscht und sich zumindest in moralisch fragwürdiger Weise an ihnen bereichert.
So hat es die Leuchtmittelindustrie bis heute nicht geschafft, ein flächendeckendes Rücknahmesystem für ihre quecksilberhaltigen Energiesparlampen aufzubauen. Lieber bezahlt sie Demoskopen Geld, um Umfragen mit dem gewünschten Ergebnis zu präsentieren. Gerade veröffentlichte die Branche wieder eine. Die soll doch tatsächlich ergeben haben, dass die Lichteigenschaft der Lampe bei Kunden nur eine „untergeordnete Rolle“ spielt.
Lesen Sie auf Seite 2, warum der Staat Anreize setzen muss, nicht Zwänge.












