Wirtschaft : "Es wird eine Evolution und keine Reform" - Horst Köhler im Interview

Herr Köhler[wie muss eine Reform des IWF aus]

Horst Köhler ist designierter Chef des Internationalen Währungsfonds IWF.

Herr Köhler, wie muss eine Reform des IWF aussehen?

Es gibt genug Anlass, einige Dinge zu überprüfen. Ich habe mir aber fest vorgenommen, nicht jetzt schon über die Spezifika einer Reform zu reden, weil ich erst zuhören und mit allen, die hier beteiligt sind und die Expertise haben, sprechen will. Mein erster Eindruck ist, dass wir es mit einer Evolution und nicht mit einer Reform zu tun haben werden. Das kann durchaus heißen, dass einige Dinge deutlich verändert werden müssen, aber der IWF ist ja eigentlich in einem permanenten Wandlungsprozess.

Wird es zu Auseinandersetzungen über die verschiedenen Konzepte kommen, und haben Sie selbst ein Konzept?

Zu meinen Vorstellungen will ich noch nicht im einzelnen Stellung nehmen. Es macht nicht viel Sinn, jetzt nach Washington zu kommen und den Eindruck zu erwecken, ich weiß schon alles besser. Jetzt ist eine Phase des Zuhörens und des Bewertens nötig. Ich sehe die Lösung zwischen den Extrempolen: Abschaffung des IWF, was ich in unserer globalisierten Welt nicht für verantwortlich halte, oder, das andere Extrem, den IWF für alles zuständig machen. Das ist genauso schlecht.

Wie steht der IWF zur Weltbank?

Wir müssen sehen: Wo liegen die Stärken des IWF, wo liegt die richtige und effiziente Arbeitsteilung mit der Weltbank. Auf diese Stärken müssen wir uns konzentrieren und sie noch verbessern.

Wann werden Sie mit Ihren eigenen Vorstellungen an die Öffentlichkeit gehen?

Die Jahrestagung von IWF und Weltbank Ende September in Prag wird wohl der richtige Zeitpunkt sein, um erste wichtige Positionsbeschreibungen vorzunehmen.

Werden Sie zur Frühjahrstagung von IWF und Weltbank im April schon in Washington sein?

Ich plane, an der Sitzung des Internationalen Finanz- und Währungsausschusses - dem früheren Interimsausschuss - teilzunehmen. Aber das ist noch nicht gesichert.

Die Prozedur der Nominierung war ein mühsames Verfahren. Was hat Ihnen US-Finanzminister Summers bei Ihrem Treffen gesagt?

Larry Summers hat mich beglückwünscht, bevor das Wahlverfahren abgeschlossen ist. Ich musste ihn ermahnen, mit den Glückwünschen noch zu warten. Larry Summers und ich sind Kollegen: Wir sind fähig, hart zu streiten, aber dann auch gute Lösungen zu finden.

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