Wirtschaft : Es wird eng fürs iPad

Apple stellt die dritte Generation vor, aber die Konkurrenz holt auf.

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Apple-Chef Tim Cook präsentiert am Mittwoch erstmals ein iPad, nachdem Steve Jobs im Herbst gestorben war. Foto: Reuters
Apple-Chef Tim Cook präsentiert am Mittwoch erstmals ein iPad, nachdem Steve Jobs im Herbst gestorben war. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Berlin - „Wir haben da etwas, was Sie wirklich sehen müssen. Und berühren.“ Nach dieser Apple-Einladung für Mittwoch stand für die meisten Marktbeobachter fest, dass Firmenchef Tim Cook in San Francisco das iPad 3 präsentieren würde. Nähere Details hatte Apple wie üblich nicht verlauten lassen, die Branche erwartete gleichwohl einen iPad- Nachfolger mit HD-Display, schnellerem Prozessor, LTE-Datenfunk und der Unterstützung des Apple-Spracherkennungsdienstes Siri. Die Präsentation wäre die erste Vorstellung eines neuen iPad seit dem Tod von Firmengründer Steve Jobs im vergangenen Oktober.

Dennoch fiel es Apple so schwer wie nie zuvor seit der Vorstellung des ersten iPad vor zwei Jahren, Begeisterung für den nächsten Tablet-Computer aus Cupertino zu wecken. Zwar lag das iPad im Weihnachtsquartal 2011 noch einmal mit rund 15 Millionen verkauften Geräten klar vorn. Aber die Tablets mit Googles neuester Androidversion setzen inzwischen ebenfalls Maßstäbe. Zudem hat Amazon mit dem preiswerten Kindle Fire, das mit 199 Dollar erheblich weniger als das günstigste iPad (500 Dollar) kostet, Apple kräftig Konkurrenz gemacht. Knapp vier Millionen Amazon- Tablets wurden im vierten Quartal verkauft.

Durch die enge Verzahnung des Kindle mit dem Amazon-Shop muss sich Apple zudem um seinen iTunes-Store sorgen. Kurz vor der iPad-3-Vorstellung kündigte am Dienstag nun auch Google an, sämtliche digitalen Inhalte im neuen Dienst Google Play zu bündeln. Der Shop löst den ehemaligen Android Market ab. Er umfasst in den USA sowohl Apps als auch Musik, Bücher und Filme. In vielen anderen Ländern beschränkt sich das Angebot wegen ungeklärter Rechtefragen allerdings vorerst auf Apps.

Apps, Musik, Filme und mehr – auf dieses Angebot setzt auch der Microsoft Store. In der vergangenen Woche hat Microsoft die Consumer Preview von Windows 8 weltweit freigegeben. Das neue Betriebssystem, das voraussichtlich im Herbst auf den Markt kommt, unterstützt sowohl PCs und Notebooks als auch Tablet-PCs – und zieht bereits jetzt das Interesse der Entwicklergemeinde auf sich. Mehr als 1500 Entwickler sollen bereits mit App-Plänen für Windows 8 in den Startlöchern stehen. Darunter auch das Berliner Startup-Unternehmen 6Wunderkinder. Mitgründer Christian Reber sieht in Windows 8 auch für sein Unternehmen „ein riesiges Potenzial, künftig noch weitaus mehr Menschen als bisher mit unseren Ideen und Apps zu erreichen“. Vor allem im Business-Bereich könnten Windows-8-Tablets mit dem integrierten Office-Paket zur ernstzunehmenden Alternative nicht zuletzt zu den iPads werden.

Überhaupt sind die iPads längst nicht mehr der einzige Innovator im Tablet-Markt. Während Apple mit Samsung im gerichtlichen Dauerstreit um vermeintliche Nachahmerprodukte wie das Galaxy Tab befindet, kommen reihenweise andere Android-Tablets auf den Markt. Eines davon ist das Transformer Prime von Asus. Das Tablet arbeitet mit „Ice Cream Sandwich“, der neuesten Android-Version. Das Asus-Tablet (rund 600 Euro) lässt sich unkompliziert auf die mitgelieferte Tastatur stecken, in der eine zweite Batterie untergebracht ist. Selbst beim Abspielen von Filmen auf dem HD-Bildschirm hält der iPad-Konkurrent so 18 Stunden durch – acht Stunden mehr als das iPad.

Noch ist der Markt für Tablet-Computer allerdings für alle Wettbewerber groß genug. Der Präsident des Branchenverbandes Bitkom, Dieter Kempf, prognostizierte zur Cebit ein Wachstum des Tablet-Marktes in Deutschland von 19 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro.

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