Wirtschaft : Es wird immer weniger gestreikt Fünf Minuten pro Jahr und Arbeiter

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München (dpa). Mit dem Strukturwandel in der deutschen Wirtschaft nimmt die Kampfbereitschaft der Gewerkschaften ab. Sowohl die Streikdauer als auch das Arbeitskampfvolumen seien in den 90er Jahren in Deutschland deutlich zurückgegangen, berichtet das Münchner Ifo Institut für Wirtschaftsforschung. Die Streiks hätten sich auf das produzierende Gewerbe konzentriert, der Dienstleistungssektor sei weniger stark betroffen. Mit elf Streiktagen pro 1000 Beschäftigte, das entspricht fünf Minuten Streik pro Jahr und Arbeiter, gehöre Deutschland zu den Ländern in Europa mit den wenigsten Arbeitskämpfen. Nur in Österreich werde noch weniger gestreikt.

Die Experten begründen die geringere Zahl der Streiks nicht nur mit dem Wandel hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft. Immerhin habe die Zahl der Streiktage im Dienstleistungssektor neun pro 1000 Beschäftigte betragen, während in der Industrie 14 Ausfalltage pro 1000 Beschäftigte gezählt worden seien. Ein durchschnittlicher Streik dauerte laut IfoInstitut in Deutschland 1,6 Tage. Auch Veränderungen der Produktionsabläufe hätten dazu beigetragen, dass Arbeitnehmer seltener streiken. Denn die Betriebe seien störanfälliger geworden. Geringere Lagerbestände durch Just-in-time-Produktion und eine geringere Fertigungstiefe durch die Auslagerung von Produktionsteilen ließen Betriebe empfindlicher auf Streiks reagieren.

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