Wirtschaft : Es wird ungemütlich SIEMENS

Die Risiken für das Geschäft des Technologiekonzerns nehmen zu

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Berlin - Der Rückenwind der Krisenerholung ist nun wohl vorbei – so beschrieb noch vor kurzem Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser die ökonomischen Rahmenbedingungen. Inzwischen klingt das schon anders: „Unsere Märkte sind zwar weiter robust, aber die Risiken des weltwirtschaftlichen Umfelds nehmen derzeit eher zu“, sagte Konzern-Chef Peter Löscher bei der Vorlage der Quartalszahlen. Analysten nannten den Bericht und den Ausblick enttäuschend, obwohl der Konzern an seiner Prognose für das Gesamtjahr festhielt.

Die Aktie verlor kurz nach Handelsstart an der Frankfurter Börse mehr als drei Prozent, konnte sich aber im Tagesverlauf etwas erholen. Sie schloss mit einem Minus von 1,1 Prozent.

Zum Börsengang der Lichttochter Osram sagte Finanzchef Kaeser: Siemens beobachte das Marktumfeld genau. Wenn es sich im vierten Quartal herausstellen sollte, dass der Konjunkturgipfel in der Beleuchtungstechnik tatsächlich bereits überschritten sein sollte, so müsse man den Zeitplan für den geplanten Börsengang noch einmal überdenken. Bis jetzt plant Siemens den Börsengang für die bereits in eine Aktiengesellschaft umgewandelte Tochter Osram für den Herbst dieses Jahres. Osram beschäftigt rund 40 000 Mitarbeiter weltweit, etwa 1750 davon in Berlin. Im dritten Quartal sah die Geschäftsentwicklung alles andere als rosig aus: Höhere Rohstoffkosten und höherer Preisdruck durch den scharfen Wettbewerb drückten ebenso auf den Gewinn wie „Aufwendungen für rechtliche Angelegenheiten“. Derzeit befindet sich Osram bei der LED-Technik in Patentstreitigkeiten mit den Konkurrenten Samsung und LG. Osram verdiente im dritten Quartal nur noch 56 Millionen Euro, in der Vorjahresperiode waren es noch 74 Millionen Euro gewesen. Der Umsatz stieg leicht auf 1,16 Milliarden Euro.

Alles in allem waren es Sonderbelastungen aus gescheiterten Projekten und Vertragsstrafen, die das dritte Quartal des Siemens-Geschäftsjahres prägten. In der Folge brach der Gewinn des Technologiekonzerns um 65 Prozent auf 501 Millionen Euro ein. Der Umsatz stieg lediglich um zwei Prozent auf 17,84 Milliarden Euro. Der Auftragseingang wuchs um 20 Prozent auf 22,94 Milliarden Euro.

Allein die Zahlung für den vertragswidrigen Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen mit dem französischen Atomkonzern Areva schlug im Bereich Energie mit 680 Millionen Euro negativ zu Buche. Ob Siemens nun die geplante Atom-Partnerschaft mit dem russischen Konzern Rosatom eingeht, werde sich in den nächsten Wochen entscheiden, sagte Löscher.

Bei den erneuerbaren Energien habe sich der Auftragseingang dank des Windgeschäfts seit 2007 fast verdoppelt, berichtete der Siemens-Chef. Doch die fetten Jahre sind vorbei: Der Markt werde immer wettbewerbsintensiver, sagte Löscher. Immer mehr Anbieter aus Schwellenländern drängten auf den Markt.

In den Medizintechnik musste Siemens 381 Millionen Euro auf ein Projekt zur Partikeltherapie in der Krebsbehandlung abschreiben, das kommerziell nicht so läuft wie erhofft. Die Abschreibung fiel höher aus, als von vielen Analysten erwartet. Auch insgesamt ist das Geschäftsumfeld für die Medizintechnik schwierig, weil im öffentlichen Gesundheitssektor weiter gespart wird. Eine starke Nachfrage kommt jedoch aus den Schwellenländern und aus China.

„Die Nachfrage nach Industriegütern hat auch zuletzt weiter zugenommen“, sagte Löscher. Vor allem ein Auftrag der Deutschen Bahn im Volumen von 3,7 Milliarden Euro machte sich positiv in den Auftragsbüchern bemerkbar.

Insgesamt, so sagte Analyst Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck, sei es ein schwieriges Quartal gewesen, mit vielen außerordentlichen und vor allem negativen Ereignissen. Corinna Visser

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