Wirtschaft : Escada, Boss und Co.kommen langsam in Mode

JOSEF HOFMANN (HB)

Konsum- und Modemüdigkeit in Deutschland, Krise in Asien, das Negativimage der Textilindustrie, ein Überangebot im Handel, aber auch firmeninterne Probleme sowie zum Teil die Marktenge tragen nach Meinung von Experten dazu bei, daß die Werte der Modefirmen in der Beliebtheitsskala der Anleger eher auf den hinteren Plätzen rangieren.Die Konsequenz daraus war bei der Aktie der gut verdienenden His Sportswear AG, Garching, zu spüren.Im Mai 1997 mit einem Emissionskurs von 39 DM gestartet, konnten die Papiere diesen Wert nur kurz überschreiten und notierten am Mittwoch mit 31 DM.

Doch die Perspektiven des Marktsegments Mode und Bekleidung werden von vielen Analysten positiv eingeschätzt, besonders dann, "wenn auch in Deutschland das Konsumklima anspringt und das Damokles-Schwert Asienkrise seinen Schrecken verliert", betont Joachim Bernsdorff von der Banque Nationale de Paris (BNP) in Frankfurt (Main).Der Hugo Boss AG (Umsatz: 1,13 Mrd.DM) beispielsweise, mehrheitlich in Besitz der italienischen Marzotto-Gruppe, werden weitere Kurssteigerungen zugetraut.Bernsdorff hält den Wert für langfristig ebenso interessant wie sein Analystenkollege Thomas Deser von der BHF-Bank.Beide stützen ihren Optimismus auf das Potential der weltbekannten Marke.Die neuen Aktivitäten im Bereich Sportswear könnten das Geschäft auf dem wichtigen US-Markt deutlich beleben.Bernsdorff hat den Wert dennoch nur als Marktperformer eingestuft, da die Aktien mit Kursen von aktuell 3950 DM (Stämme) und 3970 DM (Vorzüge) relativ teuer erscheinen.Das räumt auch Ursula Nonninger, Analystin von HSBC Trinkaus, ein.Dennoch läßt sie den Wert aufgrund des schlüssigen Marken- und Logistikkonzeptes und des hohen Potentials auf "kaufen".Auch Mark Unger von Sal.Oppenheim teilt diese Einschätzung.Positiv auf das Geschäft - Ertragsprognose: plus 16 Prozent - soll sich die junge Hugo-Damenlinie auswirken.

Während sich Hugo Boss der Damenmode öffnet, will das Modeunternehmen der Designerin Jil Sander (Umsatz: 197,7 Mill.DM) Marktanteile in der Männerwelt erobern.Dies scheint zu gelingen, allerdings auf noch relativ niedrigem Niveau.Während der Kurs der Aktie innerhalb des zweiten Halbjahres 1997 von über 1000 DM auf deutlich unter 700 DM gerutscht war, notiert das Papier zur Zeit bei 770 DM.Eine Rolle dabei spielt die Krise auf dem bisherigen Jil-Sander- Wachstumsfeld Asien.Bernsdorff hat die Aktie aufgrund der guten Aussichten und des niedrigen Einstiegspreises jetzt wieder auf "kaufen" hochgestuft.Gegen die Aktie spricht aber vor allem die Marktenge.Einen Großteil der Aktien hält die Firmenchefin.

Wenig Freude hat den Aktionären in den letzten zwölf Monaten die Escada-Aktie gemacht, der einzige M-Dax-Wert der Branche.Für die Kursentwicklung, zuletzt immerhin 284 DM, gab es auf der Hauptversammlung deutliche Worte.Analysten stufen den Wert auf "halten".Probleme mit der Marke Laurel sind dafür ein Grund.Dennoch: Die Ertragsaussichten sind positiv.Zum Kauf empfohlen wird der Wert vom US-Investment-Haus Merrill Lynch, dessen Analysten für die Vorzugsaktien einen Kurs von 335 DM sehen.

Eine absolute Sonderentwicklung haben die Aktien der Wünsche AG hinter sich.Dümpelte das Papier Anfang 1997 nach Turbulenzen im Konzern noch bei knapp über 100 DM vor sich hin, katapulierte allein die Ankündigung, daß der ehemalige Boss-Chef Peter Littmann das Ruder übernimmt, den Kurs auf über 270 DM.Doch die Euphorie währte nicht lange.Momentan notiert die Aktie bei 188 DM.Von dem Littmann-Wechsel profitierte kurzfristig auch die Aktie der Wünsche-Tocher Jean Pascale AG (Anteil 77 Prozent).

Seinem Ziel, aus dem "Gemischtwarenladen" Wünsche einen lupenreinen Textilkonzern mit Marken im Hochpreissegment zu machen, kam Littmann zwar mit der Übernahme von Joop einen Schritt näher.Doch der Konzern steckt tief in den Schulden.Durch den Börsengang der Tochter Bau-Verein Hamburg AG wird Wünsche aber entlastet und erhält Kapital, das Littmann dringend benötigt.Bei Jean Pascale dürfte die Suche nach einem schlüssigen Konzept und die Bereinigung der Filialstruktur aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen.Vor allem diese Schwierigkeiten machen die Wünsche-Aktie zu einem spekulativen Wert."Das Papier kann aber interessant werden", orakeln Experten.

In einem guten wirtschaftlichen Fahrwasser bewegt sich bereits die Gerry Weber International AG.Mit einer Forcierung des Shop-in-Shop-Konzeptes will das Unternehmen Umsatz (1996/97: 424 Mill.DM) und Ertrag deutlich steigern.Das Ergebnis je 5-DM-Aktie soll von 2,65 DM (1996) über 3,10 DM im laufenden Jahr 1998/99 bis auf 3,60 DM steigen, meinen die BHF-Bank-Analysten.Dem Kurs der Vorzugsaktie hat das bislang wenig geholfen: Er liegt mit 42,00 DM nicht weit entfernt von seinem Tiefstkurs der letzten 52 Wochen von 38,50 DM."Halten" lautet der Rat der meisten Analysten.

Abgebröckelt ist in den letzten Monaten der Kurs des Herrenbekleidungs-Spezialisten Adolf Ahlers AG, Herford.Die Höchstwerte aus 1997 wurden 1998 noch nicht erreicht.Dabei zeigen alle wichtigen Kennzahlen des Unternehmens nach oben, die Strategie ist international und expansiv ausgerichtet.Zur Jahrtausendwende soll die Marke von 1 Mrd.(1996/97: 590 Mill.DM) Umsatz erreicht werden.Auch hier wird zumindest bei den Stämmen die Marktenge als Grund für mangelnde Attraktivität genannt: Lediglich 30 Prozent der Anteile sind gestreut.Ursula Nonninger und ihre Kollegen setzten den Wert trotz hoher Profitabilität vorerst nur auf "halten".

Auch bei der Hucke AG stehen die Zeichen bei vielen Analysten auf Abwarten.Nach der Übernahme der Mode Holding München AG (MHM) sei Hucke zwar auf dem richtigen Weg, so Analystin Nonninger, bei der Bereinigung des Markenportfolios würde sich die Expertin jedoch etwas mehr Konsequenz wünschen.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar