Wirtschaft : „EsgibteineLösungfürMobilcom“

Großaktionär Schmid erwartet, dass France Télécom der Firma die Schulden erlässt

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Herr Schmid, wie geht es jetzt mit Mobilcom weiter?

Ich sehe eine Lösung für Mobilcom. Das schlimmste in den vergangenen Monaten war doch, dass France Télécom alles blockiert und den Vorstand, den Aufsichtsrat und die Aktionäre an der Nase herumgeführt hat. Schließlich haben sie sich doch gegen Mobilcom entschieden. Jetzt ist eine Basis da: Die Politik ist aktiviert, das Unternehmen hat Substanz. Also gibt es jetzt eine Möglichkeit zur Lösung.

Die drohende Insolvenz ist kein Problem?

Eine Insolvenz wäre ein Problem. Deshalb müssen wir versuchen, eine Lösung zu finden ohne Insolvenz – und die Grundlagen sind gut. Die Franzosen haben eine Rückstellung gebildet. Die Politik ist eingeschaltet, die Firma sensibilisiert – also muss man jetzt nur noch entscheiden und vorankommen.

Wer muss denn was entscheiden?

Im Prinzip geht es um zwei große Probleme. Das eine ist die Liquidität, weil ja der für die Liquidität zuständige Partner France Télécom vertragsbrüchig geworden ist. Und das zweite Thema ist die Umschuldung.

Mobilcom hat Schulden von knapp sieben Milliarden Euro...

Bei diesem Thema ist France Télécom schon sehr weit. Mit den Banken und Lieferanten hat es bereits Vereinbarungen gegeben. Zudem ist France Télécom Verpflichtungen gegenüber Mobilcom eingegangen. Wenn dieser Vertrag aufgelöst werden soll, dann müssen die Schulden neu sortiert werden: France Télécom müsste die Schulden übernehmen und sie Mobilcom erlassen.

Wie hoch schätzen Sie denn die Wahrscheinlichkeit ein, dass die Franzosen Mobilcom die Schulden erlassen?

Sehr hoch. France Télécom hat dafür 7,5 Milliarden Euro in die Bilanz eingestellt.

Das zeigt Ihnen, dass France Télécom auf das Geld verzichten wird?

Die haben das doch nicht aus Spaß getan und France-Télécom-Chef Michel Bon ist auch nicht aus Spaß zurückgetreten. France Télécom erwartet, dass der Ausstieg bei Mobilcom 7,5 Milliarden Euro kosten wird. Das sind zum einen die Kredite bei Banken und Lieferanten. Was darüber hinausgeht – schätzungsweise 400 Millionen bis 700 Millionen Euro – ist das, was noch an Beträgen über Klagen auf sie zukommen könnte.

Wie soll Mobilcom wieder liquide werden?

Das geht nur mit Hilfe der Politik.

Wie stellen Sie sich die vor?

In Form einer Bankgarantie. Die Gespräche mit der Politik laufen bereits. Spätestens Montag erwarte ich die ersten Erklärungen.

Haben Sie bisher nicht eher die These vertreten, die Politik soll sich aus der Wirtschaft lieber raushalten?

Es gibt Situationen – und das ist eine der wenigen – bei denen ich diesen Grundsatz durchbrechen würde. France Télécom ist ein Unternehmen an dem der französische Staat die Mehrheit hält, und France Télécom hat einen Vertrag gebrochen und gefährdet dadurch 5500 Arbeitsplätze in Deutschland. Ich meine, das ist eine politische Dimension. Und das ist ein Skandal.

Wer ist Schuld, dass es soweit gekommen ist?

Es gibt keinen Schuldigen. Das wäre zu einfach. In der Branche Telekommunikation ist das Klima umgeschlagen, Wachstum ist nicht mehr wichtig, nur Cash zählt noch. In dieser Situation hat France Télécom einen Offenbarungseid geleistet, indem sie sich fortgestohlen hat wie ein Dieb.

Das Umfeld hat sich geändert. Aber Sie sind bei Ihren ehrgeizigen UMTS-Plänen geblieben. Hätten Sie nicht sehen müssen, dass France Télécom sich das nicht mehr leisten kann?

Nein, das mussten wir nicht. Der große Betrag von 8,4 Milliarden Euro für die Lizenz war schon ausgegeben. Mobilcom musste zwischen 25 Millionen und 30 Millionen Euro Zinsen monatlich bezahlen. Ob man jetzt ein Netz baut oder nicht, die Zinsen muss man bezahlen. Aber nur wenn ich ein Netz baue, habe ich irgendwann die Möglichkeit durch Umsätze gegen diese Zinsen anzuarbeiten.

Haben Sie gar keine Fehler gemacht?

Natürlich. Jeder macht Fehler. Es war aber nicht falsch, Druck auf France Télécom auszuüben. Ohne den hätte die France Télécom niemals die Schulden gegenüber den Banken und Lieferanten übernommen.

Können Sie sich vorstellen, bei Mobilcom wieder aktiv in die Unternehmensführung einzusteigen?

Ich fühle mich als Aktionär relativ wohl.

Ihr Aktienpaket ist im Moment aber nur noch 30 Millionen Euro wert.

Ich weiß nicht, was es im Moment wert ist. Aber 30 Millionen Euro sind auch viel Geld. Ich glaube an die Zukunft des Unternehmens.

Das Gespräch führte Corinna Visser.

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