Wirtschaft : Esprit: Modemacher geht heute an die Frankfurter Börse

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Ein Kleid, eine Bluse oder die Sonnenbrille - irgend etwas von Esprit ist oft dabei. Vier von zehn deutschen Frauen hatten schon 1997 mindestens ein Kleidungsstück dieser Modemarke im Kleiderschrank, die ähnlich wie Hennes & Mauritz auch den teuren Modezaren harte Konkurrenz macht. Es sollen noch mehr Menschen werden, die diese modischen Kleidungsstücke tragen. Und zwar in ganz Europa.

Darum geht der deutsche Ableger des Hongkonger Esprit-Konzerns, die Esprit Europe mit Sitz in Düsseldorf heute an die Frankfurter Börse. Konsortialführer ist Goldman Sachs, daneben betreuen auch die Commerzbank, HSBC Trinkaus und Salomon Smith Barney den Börsengang der Modegruppe. Die Bookbuilding-Spanne für die 13 Millionen Aktien lag zwischen 14 und 17 Euro. Schon jetzt ist die Modemarke Esprit nach einer Studie des "Spiegel" 84 Prozent aller Deutschen ein Begriff. Nur die renommierten Moderiesen adidas und Hugo Boss sind bekannter.

Aber mit mehr Geld will Esprit Europe sein Image noch aufpolieren. In 60 Städten Europas sollen zukünftig jene Flag-Ship-Stores stehen, jene Geschäfte mit Flächen zwischen 1200 Quadratmetern und 2500 Quadratmetern, mit denen sich auch die exquisiten Modezaren ihren Kunden in den Prachtstraßen der Großstädte wie London, Paris, Brüssel oder Berlin präsentieren. Der Unterschied: In Läden wie denen von Esprit oder Hennes & Mauritz, wird nicht nur Flagge gezeigt, sondern auch eine Menge Geld verdient. Bisher ist Esprit in Europa in 98 eigenen Läden in neun Ländern vertreten. Hinzu kommen 709 Verkaufsflächen in Kaufhäusern, Modeläden oder Franchise-Geschäften, außerdem 7300 Großhandelskunden. Auch der große Konkurrent Hennes & Mauritz hat sich bereits auf das Börsenparkett gewagt.

Bisher freilich haben sich Modeaktien insgesamt nicht gerade als der Renner im Depot eines Anlegers erwiesen. Der Kurs der Aktie von Hennes & Mauritz etwa dümpelt zur Zeit unter dem Niveau von vor einem Jahr herum. Auch die asiatische Esprit Holding ist an der Börse notiert, unter anderen in München. Dort sind die Anteile des Unternehmens sogar gestiegen - allerdings nur solange, bis Esprit Europe vor einigen Wochen ankündigte, selbst an die Börse zu gehen. Das freilich spricht für die deutsche Tochter, macht diese doch einen Großteil des Geschäfts ihrer asiatischen Mutter aus.

Dieser Anteil soll nun noch wachsen. Zugleich möchte sich Espirit mit dem Börsengang vom Mutter-Konzern freimachen, bei dem sie verschuldet ist. Insgesamt standen in der Düsseldorfer Bilanz zum 31. März Verbindlichkeiten von rund 117 Millionen Euro. Nach wie vor wird Esprit allerdings von der asiatischen Mutter abhängig blieben, die zu 70 Prozent an der Düsseldorfer Tochter beteiligt ist.

Der Name Esprit ist zumindest vielversprechend: In der Modebranche, die in den letzten Jahren schwer unter der trüben Konjunktur gelitten hat, hat sich die Marke nach Bekunden ihres Vorstandsvorsitzenden Heinz-Jürgen Krogner-Kornalik gut behauptet. Die Düsseldorfer Marke, die auf den "modernen und zeitgemäßen Menschen" setzt, der sich zu "demokratischen Preisen kleidet", machte in Europa im Geschäftsjahr 1999 einen Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebitda) von 43 Millionen Euro. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres habe sich dieser Gewinn bereits auf 57 Euro deutlich verbessert. Nach den Worten Kronger-Kornaliks will das Unternehmen auch in Skandinavien, Frankreich und den Benelux-Ländern weiter wachsen. Dabei will es mehr Mode an Männer und Kinder verkaufen. Und nicht nur das: Auch mit Spielzeug und Sportkleidung will die ehrgeizige Massenmarke künftig den Kampf gegen die Konkurrenz aufnehmen.

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