Wirtschaft : „Ethno-Food kommt am besten weg“

Essen soll fix sein. Und selbstgemacht

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Frau Rützler, was werden wir in Zukunft essen?

Auf jeden Fall andere Sachen als heute. Essen ist Ausdruck gesellschaftlicher Veränderung. Frauen verstehen sich nicht mehr automatisch als Köchinnen, nur wenn Kinder im Haus sind, wird noch regelmäßig gekocht. Und da die Arbeit mobiler wird und Arbeitszeiten unregelmäßiger werden, wird sich auch die Esskultur verändern. Das Mittagessen als Hauptmahlzeit erscheint vielen als Relikt aus dem letzten Jahrhundert.

Mit welchen Folgen?

Der Markt reagiert rasant, vor allem in Städten. Dabei ist Ethno-Food im Vorteil, weil die türkische und asiatische Küche schnelle, unkomplizierte Lösungen für individualisierte Esser anbieten kann. Auch weil „Selbstgemachtes“ in Deutschland noch einen hohen Stellenwert hat, kommt Ethno-Food am besten weg. Aber auch die Gourmet-Küche profitiert von den Veränderungen, weil man sich zum Ausgleich am Wochenende gerne etwas Gutes gönnt. Die mittlere Gastronomie hat dagegen ein Problem.

Reagiert die Industrie schnell genug auf Veränderungen?

Die Nahrungsmittelindustrie kümmert sich noch zu sehr um das Produkt und denkt zu wenig an den Kunden. Das Hauptproblem ist aber der Handel. Er ist ein mächtiger Partner, weil er entscheidet, was in die Regale kommt. Dem Handel sind Logistik und Haltbarkeit noch viel wichtiger als die Bedürfnisse des Konsumenten. Darum gibt es in Deutschland, anders als in der Schweiz oder England, keine frischen Suppen, kaum frische Gemüsegerichte und frische Pizzen im Supermarkt. Industrie und Handel gehen lieber auf Nummer sicher und vergessen darüber, intelligente Innovationen auf den Markt zu bringen.

Wo sehen Sie Potenzial?

Im Gesundheitsmarkt. Wir wollen alle immer älter werden und trotzdem fit und schön bleiben. Da ist Essen ein riesiges Thema. Auch das kulinarische Dienstleistungsangebot kann noch ausgebaut werden, es gibt einen großen Bedarf nach ganzen Mahlzeitenpaketen.

Als gentechnisch veränderter Reis bei Aldi auftauchte, war der Aufschrei groß. Werden Gentech-Nahrungsmittel in Zukunft ganz normal sein?

Für den Konsumenten macht Gentechnik im Essen noch keinen Sinn. Den Vorteil hat nur der Landwirt, der den Ertrag steigern und billiger produzieren kann. Darum wird der Verbraucher schwer zu motivieren sein, solche Produkte zu kaufen.

Das Gespräch führte Maren Peters.

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