Wirtschaft : EU erlaubt Pharmafusion

Hoffmann-La Roche muß Lizenzen an Konkurrenz abgeben BRÜSSEL / BONN (tog/rtr/ADN).Der Schweizer Chemie- und Pharmakonzern Hoffmann-La Roche muß sich in mehreren europäischen Ländern von der Mehrheit des Geschäfts mit klinischer Chemie trennen und zudem sein führendes Know-how in der Diagnostiktechnologie der DNA-Sonden durch Lizenzen zugänglich machen.Unter dieser Bedingung hat die Europäische Kommission am Mittwoch in Brüssel die Übernahme von Boehringer Mannheim durch Hoffmann-La Roche genehmigt.Die EU-Wettbewerbsbehörde werde die Umsetzung dieser von den beiden Unternehmen selbst angebotenen Auflagen genau überwachen, um eine marktbeherrschende Stellung in der klinischen Diagnosetechnologie zu verhindern, hieß es in Brüssel. Nach der Anmeldung des geplanten Firmenzusammenschlusses stellten die Brüsseler Wettberwerbshüter schnell fest, daß weder im pharmazeutischen noch im orthopädischen Geschäft Wettbewerbsprobleme zu erwarten seien.Dagegen fürchteten sie bei der Klinischen Chemie, insbesondere den sogenannten In-vitro-Diagnose-Tests, und bei DNA-Sonden eine marktbeherrschende Stellung.Bei den In-vitro-Tests handelt es sich um ein Verfahren, mit dem man außerhalb des Körpers Cholesterol, Glukose, Natrium und andere Substanzen analysieren kann.Die Tests werden sowohl bei Routine- als auch bei Notfallpatienten gemacht und gehören zu den häufigsten diagnostischen Leistungen.In Deutschland, Österreich, Dänemark, Finnland, Portugal, Spanien und Schweden, so fanden die Brüsselere Experten heraus, hätten sich die Marktanteile der beiden Unternehmen in diesem wichtigen Bereich auf bis zu 80 Prozent des Marktes addiert. Auch auf dem schnell wachsenden Markt für DNA-Sonden, die bei der Diagnose von Aids, Krebs, Hepatitis und genetischen Krankheiten eine entscheidende Rolle spielen, wäre die Stellung von Hoffmann-La Roche nach der Übernahme von Boehringer vermutlich noch stärker geworden, als sie ohnehin schon ist.Der Schweizer Konzern besitzt schon heute auf diesem Gebiet die fortgeschrittenste und damit die dominierende Technologie.Um die Dominanz abzubauen, hat Hoffmann-La Roche nun versprochen, allen interessierten Marktteilnehmern weltweite Lizenzen für seine Schlüsseltechnologien anzubieten.Der Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller erwartet eine Fortsetzung der Konzentrationswelle in der Pharmaindustrie.Der Verbandsvorstand Horst Freisler begrüßte am Mittwoch in Bonn gleichzeitig "nachdrücklich" die Einführung des Euro.Für die besonders exportorientierten forschenden Arzneimittelproduzenten sei die Beseitigung der innereuropäischen Wechselkursrisiken ein wichtiger Vorteil.Freisler stellte fest, die erhöhte Zuzahlung bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln habe bislang nicht zu den befürchteten Negativwirkungen für die Branche geführt.Allerdings sei das Wachstum auf dem deutschen Apothekenmarkt mit 2,1 Prozent auf 25,4 Mrd.DM eher bescheiden ausgefallen.Es sei daher umso wichtiger, daß die Ausfuhren pharmazeutischer Produkte von Januar bis September 1997 verglichen zum Vorjahreszeitraum um 22,4 Prozent auf knapp 15 Mrd.DM gesteigert werden konnten.

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