Wirtschaft : EU eröffnet Verfahren gegen Eon Verdacht auf Kartell

mit Gaz de France

Düsseldorf/Brüssel - Mehr als ein Jahr nach den spektakulären Razzien gegen große Energiekonzerne hat die EU-Kommission gegen Eon erste konkrete Vorwürfe erhoben. Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hat den deutschen Marktführer gemeinsam mit dem französischen Versorger Gaz de France (GdF) im Verdacht, mit Kartellabsprachen die französischen und deutschen Gasmärkte unter sich aufzuteilen. Kroes leitete gegen die beiden Unternehmen ein Kartellverfahren ein.

Im Visier hat die EU-Kommission nun Lieferungen von Erdgas über die Pipeline Megal, die der Eon-Tochter Ruhrgas und GdF gemeinsam gehört und durch die Gas von Tschechien und Österreich nach Süddeutschland und Frankreich befördert wird. Nach Angaben der Behörde sind beide Unternehmen übereingekommen, auf dem Heimatmarkt des jeweils anderen kein Erdgas aus dieser Pipeline zu verkaufen. Das verstieße gegen die Regeln des Binnenmarktes.

Von den Razzien im vergangenen Jahr waren in Deutschland auch RWE, EnBW und Vattenfall Europe betroffen. Kartellverfahren hatte die Kommission im Mai auch gegen RWE und die italienische Eni eingeleitet. Den beiden Unternehmen wirft sie vor, Konkurrenten den Zugang zu ihren regionalen Gasnetzen zu verwehren. Branchenbeobachter rechnen in den kommenden Wochen noch mit weiteren Untersuchungen.

Den Unternehmen drohen Geldbußen im dreistelligen Millionenbereich. Brüssel kann gegen Kartellsünder sogar Bußgelder von zehn Prozent des Konzernumsatzes verhängen. Im Fall von Eon wären dies knapp sieben Milliarden Euro. Diesen Spielraum hat die Behörde aber noch nie ausgeschöpft. Im Februar hatte sie wegen Preisabsprachen bei Aufzügen gegen Thyssen-Krupp eine Rekordstrafe von 480 Millionen Euro verhängt.

Eon zeigte sich von den Vorwürfen überrascht. Anscheinend stehe die Untersuchung im Zusammenhang mit einer Transaktion zwischen Ruhrgas und GdF aus dem Jahr 1975. Die Vereinbarung wurde aber nach den Worten eines Sprechers schon vor einigen Jahren aufgekündigt. Eon und GdF erklärten sich bereit, mit der Kommission zusammenzuarbeiten. Die Eon-Aktie gab um 0,8 Prozent leicht nach. juf/sce (HB)

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