Wirtschaft : EU fordert Transparenz bei Managergehältern

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Berlin Der Druck auf die Bundesregierung, schon in diesem Jahr die Offenlegung von Managergehältern bei börsennotierten Aktiengesellschaften gesetzlich zu erzwingen, wächst. Neben der parteiübergreifenden Initiative des Bundestages drängt jetzt auch die EU-Kommission auf mehr Transparenz. Die EU-Staaten wurden am Mittwoch aufgefordert sicherzustellen, dass die Aktionäre der Aktiengesellschaften „eine geeignete Kontrolle“ über die Bezahlung der Konzernchefs erhalten.

Von den führenden 30 Firmen im Deutschen Aktienindex (Dax) geben bislang erst elf die individuellen Bezüge ihrer Vorstandsvorsitzenden bekannt. Das sind die Deutsche Bank, SAP, Schering, RWE, Telekom, Deutsche Börse, Post, Altana, Commerzbank, Bayer und Thyssen-Krupp. Bundesjustizminister Brigitte Zypries (SPD) hatte angekündigt, im Herbst 2005 darüber zu entscheiden, ob ein Transparenzgesetz nötig ist. Doch die Fraktionen im Bundestag wollen noch in diesem Jahr eine Regelung.

Der wachsende politische Druck veranlasst offensichtlich immer mehr Gesellschaften, die individuelle Offenlegung der Bezüge zu prüfen. So will selbst Max Dietrich Kley, Mitglied der Corporate Governance Kommission, für seine Zeit als Infineon-Vorstand die Bezüge veröffentlichen. Bislang war er strikt dagegen. Auch der Versicherungskonzern Allianz plant für das Geschäftsjahr 2004 detaillierte Angaben über Vorstandsgehälter.

„Langsam bricht die Mauer“, stellt ein Sprecher der Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) fest. Je mehr Unternehmen sich zur Transparenz entschlössen, desto schwerer hätten es die Verweigerer. Konkrete Überlegungen gibt es inzwischen bei MAN, Siemens und Tui. Beschlüsse sollen in den nächsten Wochen fallen. Bei MAN soll zwar das Gehalt des Vorstandschefs künftig einzeln, die Bezüge der übrigen Vorstände aber weiterhin en bloc ausgewiesen werden. Commerzbank und Schering prüfen dagegen, ob diese Einschränkung auch noch aufgegeben wird. Auch die Hypo-Vereinsbank will sich „dem Thema nicht verschließen“. Entscheidungen stehen aber noch nicht an. fo/nic

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