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EU-Kommission empfiehlt Beitritt : Lettland bekommt 2014 den Euro

Mitten in der Wirtschaftskrise bekommt die Euro-Zone ein neues Mitglied. Mit Lettland erhält der 18. EU-Staat die Gemeinschaftswährung - obwohl die Notenbanker einige Bedenken haben.

Sommer in Riga. Ab kommendem Jahr wird der Euro in der lettischen Hauptstadt wohl die offizielle Währung. Foto: dpa
Sommer in Riga. Ab kommendem Jahr wird der Euro in der lettischen Hauptstadt wohl die offizielle Währung.Foto: dpa

Lettland kann nach Auffassung der EU-Kommission zum 1. Januar kommenden Jahres den Euro einführen. Das baltische Land mit rund zwei Millionen Menschen erfülle die Maastrichter Beitrittskriterien, teilte die Behörde am Mittwoch in Brüssel mit.

Zuvor hatten bereits Europas Währungshüter trotz einiger Bedenken ihre Zustimmung gegeben. Es gebe jedoch Sorgen, etwa wegen des Inflationsdrucks, schreibt die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrem am Mittwoch in Frankfurt veröffentlichten Konvergenzbericht. Da das Preisniveau und das Pro-Kopf-Einkommen in Lettland niedriger sind als im Euro-Raum, sei mittelfristig mit einer höheren Preissteigerung zu rechnen als im Währungsraum insgesamt.

Die EZB sieht die Gefahr, dass die Inflation in künftigen Boomphasen zusätzlich getrieben von Rohstoffpreisen und Lohnerhöhungen kräftig anziehen könnte. Im vergangenen Jahr lag die Teuerungsrate Lettlands bei 1,3 Prozent - einen geringeren Preisauftrieb hatte in Europa nur noch Schweden mit 0,8 Prozent.

Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) sieht die voraussichtliche Aufnahme Lettlands in die Euro-Zone als positives Zeichen für die Gemeinschaftswährung. "Die Signalwirkung ist beachtlich", sagte HWWI-Direktor Thomas Straubhaar. "Das zeigt, dass der Euro gerade für kleine Volkswirtschaften nach wie vor unglaublich attraktiv bleibt."

Denn abgesehen von der Debatte über stabile Preise, die zuletzt im Fokus gestanden habe, habe der Euro auch als Zahlungsmittel eine entscheidende Bedeutung. Deshalb sei für das eher kleine Lettland der Zugang zu einem großen Währungsraum wichtig. "Das kleine Land wird automatisch groß: Es verliert seinen Nachteil des kleines Binnenmarktes", sagte Straubhaar.

Die Schuldenkrise hatte vor allem wegen des mehrfach von der Staatspleite bedrohten Griechenlands die Debatte über einen Zerfall der Euro-Zone ausgelöst. Deshalb sieht Straubhaar den Beitritt Lettlands nun als enorm wichtiges Signal. Denn auch die größeren Euro-Staaten könnten vom Beitritt profitieren: einerseits durch niedrigere Transaktionskosten beim Handel, andererseits durch höhere Preisniveaustabiliät.

Die baltischen Länder seien in den vergangenen Jahren in der Vorbereitung der Euro-Einführung zu "Stabilitätsbewahrern" geworden. Litauen, der dritte der baltischen Staaten, strebt einen Beitritt zur Währungsgemeinschaft für 2015 an. Anfang Juli übernimmt das Land für ein halbes Jahr die EU-Ratspräsidentschaft. (dpa/rtr)

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