EU-Kommission : EU fordert Bankkonten für alle

Millionen Europäer haben kein Bankkonto. Zumindest ein Girokonto gehört aber dazu, meint die EU-Kommission. Die Brüsseler Behörde will den Zugang dazu erleichtern - aber deutsche Banken nennen Gründe dagegen.

Plastikgeld für Jedermann: Die EU-Kommission fordert einen leichteren Zugang zur Kontogründung
Plastikgeld für Jedermann: Die EU-Kommission fordert einen leichteren Zugang zur KontogründungFoto: dpa

Jeder Europäer soll das Recht auf ein Girokonto bekommen. Das hat die EU-Kommission am Mittwoch vorgeschlagen. Damit will sie
jenen rund 25 Millionen Menschen helfen, die kein Konto eröffnen können, obwohl sie es möchten. „Nur aus schwerwiegenden Gründen“ wie
Geldwäsche sollten Banken Interessenten abweisen können, erklärte EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg. Er stellte die Pläne gemeinsam mit
seinem Binnenmarktkollegen Michel Barnier vor.
Sie sollen nicht nur für EU-Bürger gelten, sondern für jeden mit Wohnsitz in einem der 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union.

Ohne Konto sei das Leben voller Hindernisse, erklärte Barnier: „Wie soll man Lohn erhalten, seine Steuern zahlen, wie online einkaufen, wenn man
kein Bankkonto hat?“ Mindestens eine Bank pro EU-Staat soll deshalb den Plänen zufolge in Zukunft ein Basiskonto mit grundlegenden
Zahlungsfunktionen anbieten - also Lastschriften, Überweisungen oder auch Online-Zahlungen.

Einmal im Jahr sollen die Banken ihren Kunden zudem eine Übersicht geben über die angefallenen Gebühren. Auf Wunsch sollten die Geldhäuser auch
eine Erklärliste mit gängigen Fachbegriffen liefern. Damit Verbraucher Banken besser vergleichen können, müssten die Geldhäuser Gebührenübersichten erstellen. Unabhängige Vergleichswebsites sollen den Überblick erleichtern.

Den Bankwechsel will die EU-Kommission schnell und schmerzlos machen. Innerhalb von 15 Tagen soll der Giro-Umzug möglich sein, zwischen
Banken in verschiedenen EU-Ländern innerhalb von 30 Tagen.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) befürwortete den Brüsseler Vorschlag. „Wer heute keine Kontoverbindung vorweisen kann, erhält
oftmals keinen Miet- oder Arbeitsvertrag“, erklärte die Ministerin. Auch in Deutschland verwehrten einige Banken Kunden ein Konto.

Die deutschen Banken und Sparkassen lehnten die Pläne hingegen entschieden ab. Eine Verbindung zwischen Bankstandort und Interessent sei
„unerlässlich“, teilte die Deutsche Kreditwirtschaft in einer Stellungnahme mit. Das könne der Wohnsitz, der Arbeitsplatz oder der Studienort sein.
Preise und Leistungen seien in Deutschland bereits übersichtlich. Ein starrer Vergleich ignoriere die unterschiedlichen Leistungspakete verschiedener
Kontomodelle. In Deutschland funktioniere der Bankwechsel „einfach und unproblematisch“ - andere Länder sollten besser national nachbessern.

Insgesamt 58 Millionen Menschen über 15 Jahren haben nach Berechnungen der EU-Kommission in Europa kein Bankkonto. Die Gesetzespläne
benötigen die Zustimmung von Europaparlament und EU-Staaten.

(dpa)

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