Wirtschaft : EU-Kommission: Plädoyer für Biotechnologie

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Die Europäische Kommission will eine breite öffentliche Diskussion über Chancen und Gefahren der Biotechniken anstoßen. Um die Blockade der neuen Zukunftstechniken in Europa aufzubrechen, will sie in den kommenden Monaten Gegner wie Befürworter zum Dialog an einen Tisch bringen. In einem Diskussionspapier, das am Dienstag in Straßburg vorgelegt wurde, nimmt die Brüsseler Behörde gleichzeitig Stellung und bricht eine Lanze für die kontrollierte Nutzung der Zukunftstechnologien in Medizin und Biowissenschaft. "Es ist von weitreichender strategischer Bedeutung, dass Europa die neuen Schlüsseltechnologien meistert und sie zum Vorteil der Gesellschaft nutzt", erklärte EU-Kommissionspräsident Prodi.

Offenbar fürchtet man in Brüssel, dass die europäische Forschung gegenüber der US-Konkurrenz ins Hintertreffen kommt. Tatsächlich herrscht in Europa gegenüber den neuen Biotechniken, vor allem gegenüber der Gentechnik, ein weit verbreitetes Misstrauen. Die kontroverse Debatte über die Nutzung von Stammzellen sei ein Beispiel für das Dilemma, in dem die Forschung derzeit stecke, heisst es in Brüssel. Der Forschung und der Industrie sind vom Gesetzgeber in den EU-Staaten enge Fesseln angelegt. In Europa wird zudem für Bio-Forschung und Entwicklung nicht einmal die Hälfte der Gelder ausgegeben, die in den USA für die Biotech-Forschung zur Verfügung stehen. Es gehe in der Auseinandersetzung aber nicht nur um die umstrittene Stammzellenforschung oder um gentechnisch veränderten Mais, schreibt die EU-Kommission. Die biotechnologische Revolution eröffne auch neue Möglichkeiten für den Umweltschutz, in der Medizin und der Entwicklung neuer Medikamente, in der Nahrungsmittelproduktion und im Kampf gegen den Hunger in der Dritten Welt.

In ihrem Plädoyer für die Nutzung der neuen Biotechniken weist die Kommission darauf hin, dass in Europa zum Schutz der Verbraucher die weltweit strengsten Kontrollen eingeführt wurden. Nirgendwo werde der Bürger zum Beispiel so ausführlich über die Nahrungsmittel informiert wie in der EU. Die Risiken der neuen Technologien will die Kommission mit einem System der Kontrollen verringern: Eine spezielle Agentur soll künftig Lebensmittel ständig überwachen. Eine unabhängiger Ethikausschuss berät die Kommission in allen Fragen der Biotechnologie. Ende September hat die EU-Kommission alle Beteiligten, von der Biotec-Forschung über die Verbraucherverbände bis zu den Gegnern der Genforschung, zu einer Konferenz eingeladen.

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