EU-Kommission : Schluss mit überteuerten Handy-Gebühren im Ausland

Die EU-Kommission will die Mobilfunkanbieter zwingen, Urlaubern und Geschäftsleuten für Gespräche mit dem Mobiltelefon innerhalb der EU ähnlich Preise zu berechnen wie daheim.

Brüssel - Die zuständige Kommissarin Viviane Reding sagte am Dienstag in Brüssel: «Ich hoffe, dass das für die Verbraucher schon im Sommerurlaub 2007 gilt.» Reding will im Juni eine entsprechende Verordnung durch die Kommission bringen und dann mit dem Europaparlament und den Mitgliedstaaten rasch umsetzen.

Nach Vorstellung der europäischen Telekom-Regulierer, die die Initiative unterstützen, wären Preissenkungen zwischen den Unternehmen um fast zwei Drittel möglich. Diese Ersparnis soll nach dem Willen der Kommission möglichst an die Verbraucher weitergegeben werden.

So genannte Roaming-Gebühren fallen an, weil nationale Anbieter mit ausländischen Unternehmen kooperieren, um ihren Kunden international einen Netzzugang zu bieten. Die Kooperationspartner lassen sich das vergüten. Die in der EU stark schwankenden und in einigen Staaten sehr hohen Roaming-Preise muss weitgehend der Kunde tragen. Beispielsweise zahlt ein Finne für ein vierminütiges Gespräch nach Hause in Schweden 0,20 Euro. Für einen Malteser in Lettland kostet der Anruf hingegen 13,05 Euro.

Nach Angaben der Kommission mussten im März deutsche Reisende je nach den Kooperationen von E-Plus, O2, T-Mobile und Vodafone in Frankreich zwischen 3,96 und 5,12 Euro zahlen. Für Griechenland lagen die Preise zwischen 3,48 und 3,96 Euro, in Italien zwischen 3,87 und 4,06 Euro und in Spanien zwischen 3,29 und 4,02 Euro.

Reding bemängelte, dass einige europäische Mobilfunkanbieter auf eine erste Aufforderung, die Preise zu senken, sogar mit Preiserhöhungen reagiert hätten. «Es ist höchste Zeit, dass die Bürger auch auf Auslandsreisen in den Genuss der Vorteile des Binnenmarktes kommen und zwar in Form deutlich niedrigerer Kommunikationsgebühren», sagte sie. Unterstützung erhielt Reding von Kip Meek, dem Vorsitzenden der Europäischen Regulierungsstellen und Direktor der britischen Aufsichtsbehörde Ofcom: «Wir unterstützen zu 100 Prozent die Initiative der Kommissarin.»

Die Kommission setzt bei den Preisen an, die sich die Unternehmen gegenseitig berechnen. Diese sollen nicht erheblich über den tatsächlichen Kosten liegen. Die mögliche Ersparnis sollen die Anbieter an ihre Kunden weitergegeben. Das müssten dann notfalls Aufsichtsbehörden sicherstellen. Reding will alle Gebühren, die bei der Annahme eines Gesprächs berechnet werden, ganz abschaffen.

Die Kommission erwägt ein Modell, dass zwischen Orts- und Auslandstarifen unterscheidet. Sich ein Taxi in Athen zu bestellen, wäre ähnlich teuer wie in Hannover oder Brüssel. Die Familie von einer Dienstreise aus anzurufen, kostet dann einen in dem Land üblichen Auslandstarif. Die Kommission gibt nun allen Interessierten bis zum 28. April Gelegenheit, zu ihren Vorstellungen Stellung zu nehmen. Nach einem Beschluss der Kommission im Juni ginge die Verordnung dann in das Gesetzgebungsverfahren durch die Mitgliedstaaten und das Parlament. (tso/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben