EU-Kommission : Wachstum in Euro-Zone kommt zum Erliegen

Im zweiten Halbjahr 2011 geht das Wirtschaftwachstum in der Währungsunion gen null. Von einer drohenden Rezession will die EU-Kommission nichts wissen. US-Investor George Soros sieht das ganz anders.

EU-Währungskommissar Olli Rehn
EU-Währungskommissar Olli RehnFoto: Reuters

Die Schuldenkrise und die Börsenturbulenzen sorgen nach Prognose der EU-Kommission für wirtschaftliche Stagnation in der Euro-Zone. Das Wachstum werde "zum Jahresende nahezu zum Erliegen kommen", hieß es in der am Donnerstag in Brüssel veröffentlichten Herbstprognose. Das werde aber "keinen erneuten Rückfall in die Rezession bewirken".

Demnach wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Wirtschaftsraum der 17 Euro-Staaten im dritten Quartal nur noch um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal zulegen, im vierten Quartal um 0,1 Prozent. Insgesamt korrigierte die Kommission ihre Einschätzung um insgesamt 0,5 Punkte für das zweite Halbjahr nach unten.

Die Brüsseler Behörde rechnet für 2011 jedoch weiter mit einem Wachstum des BIP von 1,6 Prozent. Konjunkturlok bleibt demnach Deutschland. Für die größte Volkswirtschaft Europas hoben die Experten die Prognose gegenüber dem Frühjahr von 2,6 auf 2,9 Prozent an. Für die gesamte EU mit ihren 27 Ländern wurde sie dagegen von 1,8 auf 1,7 Prozent gesenkt.

"Die Aussichten für die europäische Wirtschaft haben sich verschlechtert", sagte EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn. "Die Staatsschuldenkrise hat sich verschlimmert und die Turbulenzen an den Finanzmärkten werden die Realwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen." Um den Erholungsprozess wieder in Gang zu setzen, müssten die Staatshaushalte saniert werden.

Soros fürchtet Große Depression

Anders als die Brüsseler Behörde sieht des US-amerikanische Großinvestor George Soros die Euro-Zone vor einem jahrelangen wirtschaftlichen Niedergang. "Der Druck zum Defizitabbau wird die Euro-Zone in eine anhaltende Rezession stürzen", schreibt der Milliardär und Hedgefonds-Manager in einem Gastbeitrag für das Magazin "New York Review of Books". "Das wird unkalkulierbare politische Folgen haben."

Eine Große Depression könne nur dann verhindert werden, wenn sich die Politik zu radikalen Maßnahmen entschließe. Dazu gehöre ein europäisches Finanzministerium, das Steuern eintreiben und Schulden aufnehmen könne.

Anfang der 90er Jahren erregte Soros Aufsehen, als er erst gegen das britische Pfund spekulierte, weil er der Auffassung vetrat, dass die Währung überbewertet sei. (dpa/rtr)

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