EU-Quoten : Nach der Milch bleibt nur der Zucker übrig

Obst, Gemüse, Getreide und Fleisch - und nun Milch: Schritt für Schritt hat die EU 21 Marktordnungen abgeschafft. Es ist das Ende der Angebotssteuerung in der europäischen Landwirtschaft.

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Im Grundsatz beschlossen wurde das Aus für die Milchquote schon vor zwölf Jahren, 2008 bestätigten Europas Agrarminister die Entscheidung. Schritt für Schritt sind somit 21 Marktordnungen abgeschafft worden: für Obst, Gemüse, Getreide und Fleisch. Mit dem Ende der Milchquote gibt es nur noch ein bäuerliches Erzeugnis, für das Sonderregeln gelten. Und auch deren Ende ist absehbar. Die Zuckerquote soll im Herbst 2017 Geschichte sein.

Für die Europäische Gemeinschaft, die nach den Hungerjahren der Nachkriegszeit mit massiven Markteingriffen für Nahrungsmittelsicherheit sorgte, geht damit die Ära der Angebotssteuerung endgültig zu Ende. Schon seit 2004 ist die Milchquote ständig angehoben worden, um den Markt auf die Liberalisierung vorzubereiten. 2014 wurden in der EU 144 Millionen Tonnen Milch erzeugt – ein Viertel mehr als zehn Jahre zuvor. Entsprechend haben auch die Exporte angezogen. Waren es 2007 laut EU-Kommission noch zweieinhalb Millionen Tonnen Milch und Milchprodukte, gingen 2014 bereits knapp vier Millionen Tonnen in alle Welt.

Was bleibt, ist der Interventionspreis

Ganz ohne Instrumente aber steht die Politik auch in Zukunft nicht da. Für den Milchmarkt – konkret für Butter und Magermilchpulver – gibt es nach wie vor einen Interventionspreis, zu dem der Staat den Bauern ihre Erzeugnisse abkauft, falls der Weltmarktpreis darunter fallen sollte. Die Marke liegt jedoch nur noch bei rund 20 Cent – und ist damit praktisch irrelevant.

Interessanter ist da schon die Ankündigung von EU-Landwirtschaftskommissar Phil Hogan. Wirtschaftlich anfällige Gegenden, in denen das Ende der Quoten „als eine Bedrohung gesehen werden“ könne, könnten auf Förderung durch die Maßnahmen zur ländlichen Entwicklung bauen, versprach er. In dieser Säule der EU-Agrarpolitik stehen tatsächlich viele Milliarden Euro bereit. Wohl vor allem für die kleineren Betriebe entwickelt die Europäische Investitionsbank ein besonders günstiges Kreditprogramm für Milchbauern, die investieren wollen.

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