EU-Regulierung : Wie die Autokonzerne die CO2-Regeln umfahren

Erreichen die Hersteller ihre eigenen Ziele für die Elektromobilität, lässt ihnen die EU-Kommission viel Spielraum für Diesel und Benziner.

Belastete Städte. Der Schadstoff- und CO2-Ausstoß übersteigen an vielen Hotspots die zulässigen Werte.
Belastete Städte. Der Schadstoff- und CO2-Ausstoß übersteigen an vielen Hotspots die zulässigen Werte.Foto: imago/photothek

Die jüngst von der EU-Kommission vorgeschlagenen CO2-Grenzwerte für europäische Neuwagen ab 2021 entbinden die Autohersteller praktisch von der Pflicht, konventionelle Diesel- oder Benzinmotoren effizienter zu machen. Zu diesem Ergebnis kommen Berechnungen des ökologischen Verkehrsclubs VCD.

Die Kommission schlägt unter anderem vor, den Autobauern Anreize zum Verkauf emissionsarmer Fahrzeuge wie Elektroautos zu bieten. Je größer in Zukunft deren Anteil an den Verkaufszahlen, desto weniger ambitioniert müssen die CO2-Werte für die restliche Flotte mit Verbrennungsmotoren sein. „Dies führt im Endeffekt dazu, dass die Autohersteller alleine durch Erreichen der unverbindlichen Vorgaben für den Anteil von Elektroautos ab 2021 keinerlei Anstrengungen mehr unternehmen müssen, die Effizienz der restlichen Fahrzeuge zu steigern“, sagte Michael Müller-Görnert vom VCD dem Tagesspiegel.

Bonus für höheren Anteil an E-Autos

So enthält der Vorschlag der Kommission, der noch vom EU-Parlament gebilligt werden muss, unter anderem folgendes Belohnungssystem: Hersteller sollen einen Bonus erhalten, wenn im Jahr 2025 mehr als 15 Prozent und im Jahr 2030 mehr als 30 Prozent aller verkauften Pkw emissionsarm sind, also weniger als 50 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Der Bonus führt dazu, dass die Hersteller die CO2-Vorgaben für ihre normalen Verbrennungsmotoren um bis zu fünf Prozent weniger stark reduzieren müssen.

Die von der EU vorgeschlagenen Elektroauto-Anteile sind allerdings nicht sehr ambitioniert – die Hersteller selbst haben deutlich ehrgeizigere Ziele. So kündigte Volkswagen auf der Internationalen Autoausstellung an, dass 2025 jedes vierte Fahrzeug aus dem VW-Konzern vollelektrisch sein werde. VW-Chef Matthias Müller will dies nicht als unverbindliche Absichtserklärung verstanden wissen, sondern als „Selbstverpflichtung, an der wir uns ab heute messen lassen“.

Auch Daimler sollte die Einhaltung der EU-Richtwerte keine Mühe bereiten: 2025 werde der Anteil von Elektroautos an allen verkauften Modellen aus dem Konzern bei 15 bis 25 Prozent liegen, hat Vorstandschef Dieter Zetsche angekündigt. Ebenso BMW: Bis zu 25 Prozent Elektroanteil will der Autobauer bis 2025 erreichen.

Wechsel des Fahrzyklus gibt noch mehr Spielraum

„Dies zeigt: Den Herstellern wird es besonders leicht gemacht, ihre CO2-Vorgaben aufzuweichen und weiterhin Spritfresser verkaufen zu können“, sagte Müller-Görnert. Dies umso mehr, als die EU-Kommission keine Sanktionen für Autobauer verlange, die weniger Elektroautos verkaufen als die Richtwerte vorgeben. Und: Der Wechsel in das neue, realistischere Labor-Testverfahren WLTP seit September 2017 gibt den Herstellern weitere Spielräume, strenge CO2-Grenzwerte ab 2021 zu umfahren. Unter dem Strich könnte die neue Regulierung laut VCD dazu führen, dass die Hersteller das Emissionsniveau von 2021 (95 Gramm CO2/km) beibehalten – oder in den Jahren danach sogar mehr CO2 ausstoßen könnten.

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