EU-Richtlinie : Umweltlobby kritisiert Klima-Label

Schwere Fahrzeuge dürfen künftig mehr CO2 ausstoßen und bekommen trotzdem eine bessere Note. Umweltverbände schlagen ein eigenes Modell vor.

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Berlin - Wer sich künftig einen Neuwagen anschafft, soll wie beim Kauf einer Waschmaschine anhand einer Farbskala erkennen, wie effizient und umweltschädlich das Fahrzeug ist. Doch die vom Bundeswirtschaftsministerium ausgearbeitete Umsetzung der EU-Richtlinie stößt bei Umweltverbänden auf massive Kritik: Das in Deutschland geplante Label sei eine Mogelpackung, die im Interesse der deutschen Hersteller schwere Limousinen und Luxus-Geländewagen begünstige, erklärten der Verkehrsclub Deutschland (VCD), die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) am Montag gemeinsam in Berlin. Die Verbände forderten die Bundesregierung auf, „dieses im Schulterschluss mit den deutschen Autobauern erarbeitete Modell grundsätzlich zu überarbeiten“. Die Regierung will bis Ende 2010 einen konkreten Gesetzentwurf vorlegen.

Kritisiert wird vor allem, dass die Effizienz-Noten „A“ bis „G“ unter Berücksichtigung des Fahrzeuggewichts vergeben werden sollen. Das erlaubt es Herstellern, schwere Autos trotz höherer CO2- Werte in günstige Effizienzklassen einzustufen. Ein Porsche Cayenne Hybrid mit 380 PS und einem CO2-Ausstoß von 193 Gramm pro Kilometer bekäme so ein „B“, der Kleinwagen Aygo von Toyota mit einem Verbrauch von 4,5 Litern und 106 Gramm CO2 aber nur ein „D“.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) spricht von einer „ambitionierten Energieverbrauchskennzeichnung“, die Verbrauchern wertvolle Entscheidungshilfe beim Kauf biete. Zugleich setze das Modell „überzeugende Anreize für die Verbesserung der Energieeffizienz in allen Fahrzeugsegmenten“.

DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch hält genau das Gegenteil für richtig: Das jetzt entwickelte Label sei der „durchsichtige Versuch, die derzeit schwer verkäuflichen Spritschlucker aus deutscher Automobilproduktion grün anzustreichen und deren Absatz zu fördern“. Nabu-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger kritisierte, dem Verbraucher werde ein „Bärendienst“ erwiesen, wenn ein Großteil der Fahrzeuge innerhalb weniger Jahre ein grünes Label bekommen und nur schwer unterscheidbar seien.

Als Alternative schlagen die Umweltverbände ein Modell vor, das sich an der Ende 2008 beschlossenen EU-Regulierung zur Verringerung der CO2-Emissionen von Neuwagen orientiert. Auch bei diesem Modell steigt der zulässige CO2- Wert mit dem Gewicht, ab 2012 gilt aber für alle in der EU neu zugelassenen Fahrzeuge ein durchschnittlicher CO2-Grenzwert von 120 Gramm pro Kilometer. Nach dem Verbände-Modell können Fahrzeuge nur dann ein umweltfreundliches „A“ bekommen, wenn sie ihren spezifischen EU-Referenzwert um mehr als 25 Prozent unterschreiten und nicht mehr als 100 Gramm CO2 ausstoßen. Außerdem soll das System dynamisiert werden. Alle drei Jahre käme es dann zu einer Verschärfung der Klassifizierung. Auch sollen die im Regierungsmodell erlaubten Noten „A+“ bis „A+++“ nicht zugelassen werden. „Das führt die an sich sinnvolle Kennzahl ad absurdum, wenn am Ende dadurch fast alle Autos im grünen Bereich liegen“, sagte Nabu-Experte Oeliger.

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