Wirtschaft : EU sucht Alternativen zu russischem Gas

Weil Gasprom mit geringeren Lieferungen droht, will Brüssel neue Energiequellen erschließen

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Berlin - Die Europäische Union hat die Drohungen des russischen Gaskonzerns Gasprom zurückgewiesen. Gasprom hatte angekündigt, seine Erdgas-Lieferungen zu reduzieren, falls seine Aktivitäten auf dem europäischen Markt beschränkt würden. „Die Äußerungen aus Moskau machen deutlich, dass die EU die Herkunft ihrer Energielieferungen breit fächern muss“, sagte ein Sprecher von Energiekommissar Andris Piebalgs. Auch der österreichische Wirtschaftsminister Martin Bartenstein plädierte dafür, über Alternativen zu russischem Gas nachdenken. „Das ist das Gebot der Stunde“, sagte er dem Tagesspiegel.

Gasprom bemüht sich seit einigen Monaten, auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen. So will der halbstaatliche russische Konzern sein Gas nicht nur an europäische Energieversorger liefern, sondern selbst in das rentable Endkundengeschäft einsteigen. Im Dezember hatte der Deutschland-Chef von Gasprom, Hans- Joachim Gornig, im Tagesspiegel angekündigt, auch hier zu Lande Stadtwerke kaufen zu wollen. Ähnliche Strategien verfolgt das Unternehmen auch in anderen EU-Staaten.

In mehreren Ländern regt sich dagegen jedoch Widerstand. So plant die Regierung in London Medienberichten zufolge, das britische Fusionsrecht derart zu verändern, dass eine mögliche Übernahme des führenden britischen Gasversorgers Centrica durch Gasprom verhindert würde. Auf diese Abwehrhaltung reagierte Gasprom nun: Man sei nicht darauf angewiesen, russisches Gas nach Europa zu exportieren; auch Asien und Amerika seien interessante Märkte.

Die EU-Kommission findet dieses Verhalten befremdlich. Zwar sei es normal, dass die Lieferanten auf einem globalen Markt möglichst viele verschiedene Kunden finden möchten, sagte ein Sprecher. Doch dürfe dieses Ansinnen nicht zu anderen Zwecken missbraucht werden.

Der Wiener Wirtschaftsminister Bartenstein betonte die Notwendigkeit alternativer Gaslieferanten. Er verwies dabei auf das so genannte Nabucco-Pipeline- Projekt, das die EU bis 2011 mit kaspischen und iranischen Erdgasvorkommen verbinden soll. Österreich hält noch bis Ende Juni die EU-Ratspräsidentschaft inne. Nach dem russisch-ukrainischen Gasstreit dürfe man nicht zur Tagesordnung übergehen, sagte Bartenstein weiter. Die begonnene Energiepartnerschaft zwischen der EU und Russland müsse im Sinne einer „fairen Partnerschaft“ ausgebaut werden. „Bei einer solchen Partnerschaft muss man auch offen Themen ansprechen können wie unser Interesse, dass Russland das Export-Monopol überdenkt.“ Er baue auf entsprechende Zusagen des russischen Präsidenten Wladimir Putin, dass Russland für die EU ein verlässlicher Gaslieferant „ist und bleiben wird“. Der russischen Seite sei es aber unbenommen, mit China, den USA und anderen Staaten Geschäftsbeziehungen zu entwickeln.

Die EU bezieht ein Viertel ihrer Gasimporte aus Russland; in Deutschland ist die Abhängigkeit noch höher. So liefert Russland rund 35 Prozent der deutschen Gasversorgung. „Die Debatte zeigt, dass der weltweite Wettbewerb um Energieressourcen schärfer wird“, sagte ein Sprecher des deutschen Versorgers VNG.

Gornig von Gasprom-Deutschland bemühte sich, die Erklärung aus Moskau zu relativieren. Die Äußerungen, sagte er dem Tagesspiegel, seien nicht als Drohung zu verstehen: „Die Verträge mit Europa werden erfüllt.“ Es sei aber „die erklärte Politik des Unternehmens, auch andere Märkte zu erschließen“. Im Übrigen lasse der Widerstand, mit dem es Gasprom in Großbritannien zu tun habe, keine Schlussfolgerungen für mögliche Übernahmen von Stadtwerken in Deutschland zu. „An unseren Plänen hat sich nichts geändert.“

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