Wirtschaft : EU-Wettbewerbsrecht: Mario Monti erhält den Wolfram Engels-Preis

Wo das EU-Wettbewerbsrecht angewendet wird, wird die Europäische Union (EU) vielen erst verständlich. Auch in dieser Woche stehen wieder Entscheidungen der Brüsseler Wettbewerbsbehörde an - ob in der Frage des Berliner Großflughafens oder der Beteiligung der französischen Electricité de France an der Energieversorgung Baden Württemberg. EU-Kommissar Mario Monti repräsentiert das EU-Wettbewerbsrecht. Dafür erntet der 57jährige Italiener - ein Mann der Wissenschaft und Publizistik - ebenso viel Sympathien wie Antipathien.

Die einen würdigen sein Eintreten für Markt und Wettbewerb - wie die Verleihung des Wolfram Engels-Preis "Mensch und Markt" 2000 am Montag in Berlin zeigt. Den anderen ist sein strenges Regime lästig; wieder andere bewerten seine Entscheidungen als zu lasch. Der Ökonomie-Professor, der 1995 den Präsidentensessel an der Mailänder Universität Bocconi verließ und zunächst zum EU-Steuerkommissar berufen wurde, ist heute Chef einer Behöre mit 600 EU-Beamten, die unter anderem das deutsche System von Anstaltslast und Gewährträgerhaftung für Landesbanken und Sparkassen aufs Korn genommen hat. Auch die Beihilfen der Bundesregierung für den Baukonzern Holzmann nimmt die Wettbewerbsbehörde unter die Lupe. Dabei wird seit einem Jahr geprüft und immer noch steht die Entscheidung, inwieweit die Bundesbürgschaft zur Rettung des Konzerns mit EU-Recht kompatibel ist oder nicht, aus. Nun soll "bis zum Sommer" entschieden werden. Doch nicht nur Staatsbeihilfen auch Fusionen und Vertriebs- und Preisabsprachen werden von Monti untersucht.

Der Wolfram Engels-Preis "Mensch und Markt" 2000 wurde Monti für sein "nachdrückliches, auch den Konflikt nicht scheuendes Eintreten für Markt und Wettbewerb in der EU", verliehen. So steht es in der Begründung der Jury, der unter anderem der Kölner Ökonom und Sachverständige Jürgen B. Donges angehört.

Monti selbst sieht in dem Preis denn auch weniger eine persönliche Auszeichnung als eine Würdigung der europäischen Marktwirtschaft, deren wesentlicher Bestandteil eine funktionierende EU-Wettbewerbspolitik und mithin eine strenge Verbraucherpolitik ist, wie er dem Tagesspiegel erklärte.

Der Preis - mit 30 000 Mark ausgestattet - wird zum dritten Mal vom Frankfurter Institut Stiftung Marktwirtschaft und Politik, Bad Homburg, und der Infomedia-Stiftung Gemeinnützige Stiftung für Gesellschaftswissenschaften und Publizistik, Köln, vergeben. Er erinnert an den 1995 verstorbenen Frankfurter Nationalökonomen, Publizisten -unter anderem war Engels Herausgeber der "Wirtschaftswoche" - und Mitbegründer des Kronberger Kreises, Wolfram Engels.

Der Kronberger Kreis ist der wissenschaftliche Beirat des Anfang der 80er Jahre gegründeten Frankfurter Instituts. Zum Kronberger Kreis - benannt nach der hessischen Tagungsstätte - hatten sich 1982 sechs liberale Ökonomen zusammengeschlossen, um den Geist einer marktwirtschatlichen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung weiterzutragen.

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