Wirtschaft : EU will Emissionshandel auch für Schiffe

Die Reeder sollen für hohen CO2-Ausstoß zahlen

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Brüssel - Die Europäische Union will den Emissionshandel nicht nur auf die Luftfahrt, sondern auch auf den internationalen Schiffsverkehr ausweiten. Damit soll der stark steigende Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid durch Fracht- und Passagierschiffe auf See eingedämmt werden. EU-Umweltkommissar Stavros Dimas werde die Pläne voraussichtlich im September vorstellen, sagte seine Sprecherin Barbara Helfferich. Ein Gesetzentwurf werde folgen. „Es ist so gut wie sicher, dass die maritime Schifffahrt in den Emissionshandel einbezogen werden soll.“

Anlass für den EU-Vorstoß ist der hohe Schadstoffausstoß durch den kommerziellen Schiffsverkehr. Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist die Seeschifffahrt für 2,7 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Dies entspreche etwa der Größenordnung des Luftverkehrs. Zudem emittieren Schiffe zehn Prozent des globalen Schwefeldioxids und bis zu einem Viertel der Stickoxide.

Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation IMO habe bei der Lösung dieses Problems keine Fortschritte erzielt, sagte der SPD-Europaabgeordnete und Verkehrsexperte Willi Piecyk. Deshalb müsse jetzt die EU die Reeder zu größeren Anstrengungen beim Abbau von Kohlendioxid verpflichten.

Laut einem internen Arbeitspapier der EU-Kommission plant Dimas, dass Fracht-, Kreuzfahrtschiffe und Fähren künftig CO2-Zertifikate vorweisen müssen, wenn sie einen Hafen in der EU anlaufen wollen. Dies gelte analog zum Flugverkehr auch für Schiffe aus Staaten außerhalb der EU, sagte Dimas Sprecherin. Je höher die Emissionen, desto teurer werde es für die Reeder. Sie müssen dann fehlende Zertifikate zukaufen. Als Datum für die Ausweitung des Emissionshandels auf Schiffe nannte sie das Jahr 2012.

Die EU-Pläne stoßen bei Europas Reedern auf vorsichtige Zustimmung. „Grundsätzlich stehen wir dem Emissionshandel offen gegenüber“, sagte der stellvertretende Generaldirektor des Europäischen Reeder-Verbandes ECSA, Tim Marking. Zweifel gebe es aber an der praktischen Umsetzbarkeit. So sei es schwierig, Informationen über den CO2-Ausstoß jedes Schiffes zu bekommen. huh (HB)

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