Wirtschaft : Eurex: Manager von Goldman-Sachs wird neuer Chef der Terminbörse

Nur wenige Tage nach dem überraschenden Rücktritt von Jörg Franke als Chef der weltgrößten Terminbörse Eurex ist sein Nachfolger gefunden. Rudi Ferscher vom Investmenthaus Goldman Sachs soll voraussichtlich zum Jahresende an die Spitze der deutsch-schweizerischen Eurex treten, wie aus Börsenkreisen in Frankfurt bekannt wurde. Die Deutsche Börse AG wollte am Freitag dazu jedoch keine Stellungnahme abgeben.

Neben dieser Personalentscheidung wird sich der Aufsichtsrat der Börse auf seiner Sitzung an diesem Montag in Frankfurt vor allem mit dem drohenden Scheitern der Superbörse iX befassen. Nach dem Angebot der schwedischen OM-Gruppe vergangener Woche in Höhe von 808 Millionen Pfund (gut 2,6 Milliarden Mark) zur feindlichen Übernahme der London Stock Exchange (LSE) ist der verabredete Zusammenschluss der Deutschen Börse mit der LSE in weite Ferne gerückt. Zusätzliches Ungemach könnte von weiteren Offerten etwa von Euronext - dem Zusammenschluss der Börsen Paris, Brüssel und Amsterdam - und der Reuters-Tochter Instinet ausgehen.

Auch die durchgesickerte Skepsis der renommierten Investmentbank Merrill Lynch an dem Projekt iX dürfte Thema im Aufsichtsrat sein. Ausgerechnet Merrill Lynch - Großkunde, Aktionär und im Vorstand der LSE vertreten - soll nach einer internen Studie die Fusion inzwischen in einem ungünstigeren Licht sehen. Der Untersuchung zufolge ist die Börsenfusion aus rechtlicher Sicht kaum ausführbar. Zwei britische Anwaltskanzleien sind in der Untersuchung zum Schluss gekommen, dass sowohl die Integration beider Märkte als auch die Harmonisierung der Regulierung auf lange Zeit kaum zu erreichen sei. Die einzige Möglichkeit, die Harmonisierung der Regulierung zu erreichen, sei eine Übernahme deutscher Regeln durch London. Neben den juristischen Hürden, führt die Studie eine sehr schwierige Integration beider Börsen sowie hohe Betriebskosten als Argumente an. Auf Grund dieser Lage gilt es am Finanzplatz Frankfurt als sehr wahrscheinlich, dass auch die Deutsche Börse ihre auf 14. September terminierte Hauptversammlung zur Absegnung von iX verschiebt.

Die Fusion der Börsen in Frankfurt und London ist seit Wochen in der Schwebe. Nachdem sich beide Finanzplätze grundsätzlich auf ein Zusammengehen geeinigt hatten, waren zunächst Widerstände sowohl von deutscher als auch von britischer Seite gekommen. In den vergangenen Tagen waren in Deutschland die Forderungen nach einer Verschiebung der Hauptversammlung zur iX-Abstimmung lauter geworden. Das Börsenrat-Mitglied Klaus Nieding riet Börsenchef Seifert in einem Schreiben dazu, das Aktionärstreffen zu verschieben, da die Deutsche Börse sich ansonsten in den Fusionsverhandlungen in eine schlechte Position bringen würde. "Eine zu frühe einseitige Bindung Frankfurts gegenüber London kann sogar bedeuten, dass London Frankfurt zu einem Nachbessern der Eckpunkte des Fusionsprojektes auffordert", heißt es in dem Brief. Die Deutsche Börse wäre gut beraten, die Hauptversammlung zu verschieben.

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