Wirtschaft : Euro: Aktionismus hilft der Währung nicht

Bernd Frank

Viermal innerhalb von sieben Tagen hat die Europäische Zentralbank (EZB) im Alleingang am Devisenmarkt interveniert. Dass die europäischen Notenbanker um ihren Präsidenten Wim Duisenberg die negativen Wirkungen des schwachen Euro auf die Inflation erkannt haben, ist klar. Dass sie eine Trendwende der Gemeinschaftswährung herbeiführen wollen, ist löblich. Dass sie es mit allen Mitteln versuchen, ist allerdings - leider - falsch. Denn die EZB hat mit ihren Interventionen gegen zwei Grundregeln einer erfolgreichen Interventionspolitik verstoßen: Erstens sollten Interventionen koordiniert mit der amerikanischen Notenbank - möglichst noch mit Unterstützung der Japaner - durchgeführt werden. Und zweitens sollte nicht gegen einen stabilen Trend gehandelt werden, was bei den beiden letzten EZB-Alleingängen nicht beachtet worden ist.

Dass schon die mit Amerikanern und Japanern koordinierte Intervention Ende September letztlich nichts gebracht hat, hätte die EZB stutzig machen müssen. Mit dem ersten Alleingang am vergangenen Freitag hat sie sich dann unnötig unter Zugzwang gesetzt. Die Europäische Zentralbank ist jetzt in einem Kampf mit dem Markt, den sie kaum gewinnen und den sie so wohl auch nicht gewollt haben kann. Täglich werden an den Devisenmärkten rund um den Globus etwa 1500 Milliarden Dollar gehandelt. Gegen die geballte Spekulationsmacht der großen Player - sprich der großen Banken - kann die EZB letztlich nichts ausrichten.

Es klingt fast zu einfach: Die EZB sollte zwar keinen Zweifel daran lassen, dass ihr der Euro-Kurs wichtig ist und sie Aufwertungspotenzial sieht. Aber sie sollte bei alldem mehr Selbstbewusstsein - konkret: mehr Gelassenheit - an den Tag legen. Aktionismus hilft nicht weiter.

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