Wirtschaft : Euro-Anleihen empfehlen sich bei kurzen Laufzeiten

Die Aktie wird nach wie vor als die Anlageform mit den höchsten Renditen angepriesen, und die Dax- und Euro-Stoxx-Voraussagen der Marktbeobachter scheinen dies zu bestätigen. Doch manchem Investoren ist diese Form der Anlage zu unsicher. Er verzichtet auf höhere Gewinne und investiert in festverzinsliche Wertpapiere. Die Zeit dafür ist nach Ansicht mancher Bankberater gekommen. Daniel Rhée-Piening sprach mit Andrea Hrnciarova, Analystin bei der Bankgesellschaft Berlin und zuständig für Anleihen speziell in Euro. Mancher Anleger hält die Zeit für gekommen, wieder in festverzinsliche Papiere zu investieren. Stimmen Sie dem zu? Dieser Einschätzung stimme ich zu. Allerdings nur, solange es sich um kürzere Laufzeiten handelt. Sonst könnte das Kursrisiko zu groß werden. Auf dem europäischen Markt können wir schon seit der vergangenen Woche einen deutlichen Anstieg der Renditen bei den festverzinslichen Papieren beobachten, die Kurse sinken also. Tendenziell dürften die Renditen der festverzinslichen Wertpapiere bis zum Jahresende weiter nach oben gehen. Dies vor allem, weil sich die Konjunkturlage in den Ländern des Euro-Raums zunehmend verbessern dürfte und auch die Inflationsrate wieder leicht steigen dürfte. Was verstehen Sie denn unter kürzeren Laufzeiten? Höchstens zwei Jahre. Nur in Ausnahmefällen auch einmal drei Jahre. Rechnen Sie mit weiteren Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank in diesem Jahr? Bis zum Ende dieses Jahres erwarte ich keine Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank. Allerdings konnten wir Mitte dieser Woche ein Novum beobachten. Erstmals hat die Europäische Zentralbank in ihrem Monatsbericht angedeutet, daß sie bei einer Beschleunigung des Wirtschaftswachstums in Europa einen solchen Schritt vornehmen könnte. Dennoch erwarte ich eine Zinsanhebung nicht vor dem ersten Quartal des kommenden Jahres. Und wie steht es mit Zinserhöhungen in den USA? Sicherlich wird der amerikanische Notenbankpräsident Alan Greenspan in seiner nächsten Rede am 22. Juli wieder vor inflationären Gefahren warnen, und auch auf die Notwendigkeit präventiver Schritte hinweisen. Aber nach der jüngsten Zinsanhebung vom 30. Juni erwarte ich zunächst einmal stabile Zinsen auf dem amerikanischen Rentenmarkt. Sollte der Anleger eher in Euro- oder eher in US-Dollar-Anleihen investieren? Mit der Aussicht auf eine mittelfristige Verbesserung des Euro-Kurses gegenüber dem Dollar, wie sie eigentlich von allen Experten vertreten wird, empfehle ich eher Euro-Anleihen. Wenn die europäische Währung wieder steigt, hätte der Anleger dann auch noch einen Währungsgewinn. Bei Dollar-Anleihen könnte es hingegen zu Währungsverlusten kommen, wenn jetzt die US-Währung teuer eingekauft werden muß. Empfehlen Sie auch Anleihen mit einem variablen Zins? Für die heutige Marktlage ist dies eigentlich die optimale Anlage für den Anleger. Dieses Instrument gibt ihm die Möglichkeit von den erwarteten steigenden Zinsen zu profitieren. Was ist von Euro-Anleihen der mitteleuropäischen Staaten, also beispielsweise Polen oder Ungarn zu halten? Betrachtet man die gegenwärtigen Inflationsraten in diesen Ländern, ist eine solche Anlage sicherlich eine Alternative. Die nominale und auch die reale Verzinsung ist in der Tat höher. Also eine gute Alternative für Anleger, die höhere Zinsen wollen? Die höhere Verzinsung ist - wie gesagt - gegeben, aber das Währungsrisiko ist ebenfalls hoch. Mit Ausnahme der tschechischen Krone sind die Währungen dieser Länder an einen Korb bestehend aus Euro/Dollar gebunden. Sowohl die polnische als auch die ungarische Nationalbank werten die Währungen monatlich ab, um so die heimische Exportindustrie zu schützen. Für den deutschen Anleger bedeutet dies aber auf der anderen Seite Währungsverluste.

0 Kommentare

Neuester Kommentar