Wirtschaft : Euro auf dem Weg zu neuem Rekordhoch

Händler trauen US-Aufschwung nicht – und verkaufen Dollar

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Berlin/Frankfurt (Main) (brö/ro). Der Euro hat am Donnerstag seinen Höhenflug fortgesetzt, ein neues Rekordhoch aber verfehlt. An den Devisenmärkten wurde die Währung am Abend mit 1,1898 Dollar gehandelt, das war leicht unter dem MittwochsHöchststand von 1,1940 Dollar. Die stark gewachsene Geldmenge hat in Europa Sorgen über eine Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank EZB ausgelöst.

Wegen eines Feiertages in den USA war der Devisenhandel am Donnerstag ruhig. Währungsexperten halten es für wahrscheinlich, dass der Euro bald das jüngst erreichte Rekordhoch von 1,1977 Dollar übertrifft. „Es fällt schwer, nicht an neue Rekordstände des Euro zu glauben“, hieß es in einer Commerzbank-Studie. Auch die positiven US-Konjunkturmeldungen ändern daran nichts. „Eigentlich hätten das starke Wachstum im dritten Quartal von 8,2 Prozent und die guten Zahlen zur Stimmung von Einkaufsmanagern und Konsumenten für einen stärkeren Dollar sorgen müssen“, sagte Commerzbank-Experte Michael Schubert. „Die Märkte sind gegenüber den USA jedoch sehr skeptisch.“

Als Grund nannte er Zweifel an der Solidität des US-Aufschwungs. „Er ist auf Pump finanziert, deshalb kann die Erholung schnell wieder vorüber sein.“ Zudem herrsche nach wie vor Angst vor neuen Terror-Anschlägen. „Erst wenn es drei, vier Monate dauerhaft gute US-Konjunkturdaten gibt, wird der Dollar Auftrieb bekommen“, erwartet Schubert.

Sorgen bereitete an den Märkten die im Oktober stark gestiegene Geldmenge M3 (siehe Lexikon Seite 21). Sie kletterte um acht Prozent, wie die EZB in Frankfurt (Main) mitteilte. Wächst die Geldmenge zu stark, kann höhere Inflation die Folge sein. Dies könnte die Zentralbank mit höheren Zinsen zu stoppen versuchen – das aber könnte den Aufschwung bremsen, der 2004 einsetzen soll. „Wir schenken der Liquiditätsentwicklung wieder größere Aufmerksamkeit“, hatte Bundesbank-Präsident Ernst Welteke in einem Interview gesagt und so durchblicken lassen, dass die EZB höhere Zinsen nicht ausschließt.

Jörg Krämer, Chefökonom der Fondsgesellschaft Invesco, erklärte den M3-Anstieg größtenteils damit, dass die Verbraucher ihr Geld auf Tagesgeldkonten und in Geldmarktfonds deponieren würden. Von Aktienkäufen, die die Geldmenge drücken würden, nähmen sie Abstand. Zinserhöhungen erwartet Krämer aber frühestens Ende kommenden Jahres.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) ist daher optimistisch, was das Wachstum angeht. Die deutsche Wirtschaft werde 2004 um 1,6 Prozent wachsen, hieß es.

Breuer: Keine Fusion in Sicht

Zu Fusionsgerüchten um die deutschen Banken sagte BdB-Präsident und Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Rolf Breuer, die „potenziellen Eroberer deutscher Großbanken und Sparkassen stehen vor der Tür“. Gleichwohl nannte er eine bevorstehende Großfusion „Unsinn“. Die Bankenlandschaft werde sich nicht über Nacht verändern. Breuer forderte den Rückzug des Staates aus der Kreditwirtschaft, öffentlich-rechtliche Banken müssten privatisiert werden.

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