Wirtschaft : Euro-Banknoten weniger fälschungssicher als D-Mark

MÜNCHEN (tmh).Noch ist der Euro erst in aller Munde.Wenn er ab dem Jahr 2002 auch in die Hände der Verbraucher kommt, wird er sich möglicherweise nicht immer gleich anfühlen.Diese Befürchtung hat zumindest der Banknotendrucker Giesecke & Devrient (G&D) GmbH, München.Die von der Politik beschlossene Produktion der Geldscheine in zehn verschiedenen Druckereien Europas und vor allem das einzigartige Druckverfahren in Frankreich dürften zu qualitativen Unterschieden je nach Druckland führen, schätzt G & D-Manager Manfred Beck.Aussehen würden die Noten zwar alle gleich.

"Eigentlich ist es nicht einzusehen, daß so entschieden wurde," urteilte der Experte über den Beschluß, die Noten von fünf bis 500 Euro-Scheinen an zehn verschiedenen Orten drucken zu lassen.Der Druck von Banknoten sei wohl ein nationales Heiligtum, liefert G & D-Chef Hilmar Dosch die Erklärung.Die Einheitlichkeit wird vor allem dadurch in Frage gestellt, daß Frankreich eine weniger fälschungssichere Drucktechnik verwendet als alle anderen zehn Euro-Nationen.Dazu kämen Unterschiede im Papier.Die daraus resultierenden Differenzen seien in der Regel nur von Experten zu bemerken.

Zu unterschiedlicher Ausprägung könne es ferner im Bereich unsichtbarer Sicherheitsmerkmale kommen, warnt Beck.Das könne dazu führen, daß in bestimmten Ländern gedruckte Euro-Noten bei maschinellen Echtheitsprüfungen irrtümlich als Falschgeld aussortiert würden.Derartige "kleinere Pannen" seien "vorstellbar".Um die Qualitäten der Geldscheine aufeinander abzustimmen, werde deshalb im August und September 1998 europaweit eine nicht zur Ausgabe bestimmte Nullserie der neuen Euro-Noten gedruckt.Dadurch könne man Differenzen ausmerzen.Die Erstausstattung, die ab 2002 ausgegeben wird, produzieren die zehn Druckereien zwischen 1999 und 2001.Grundsätzlich erfüllen die Noten hohe Sicherheitsansprüche, urteilt Beck.Den größtmöglichen Sicherheitsstandard erfülle die neue Währung aber nicht.Sie sei "etwas weniger" fälschungssicher als die D-Mark.Da der Euro als Weltwährung neben dem Dollar geplant sei, müsse mit intensiven Fälschungsversuchen gerechnet werden."Als Techniker hätte man sich noch mehr Sicherheit gewünscht," sagte der Experte.

Da Sicherheitsmerkmale auf Geldscheinen oft als Betriebsgeheimnis der jeweiligen Druckereien gelten, sei die Koordination auch von daher eine "nicht sehr erfreuliche Situation", kritisieren G & D-Experten.In Deutschland werden von der staatlichen Bundesdruckerei und G&D bis 2002 bis zu 3,5 Mrd.neue Euro-Noten gedruckt.In den elf Euro-Staaten werden insgesamt rund zehn Mrd.Banknoten zum Start der Währung Anfang 2002 benötigt.Für den Transport dieser Menge wäre ein Güterzug von 4,6 Kilometern Länge nötig.Außer Luxemburg und Portugal haben alle elf Länder eigene Banknotendruckereien, die nur in den Niederlanden und Deutschland (G&D) privatwirtschaftliche Unternehmen sind.

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