Wirtschaft : Euro bringt Export weniger als erwartet

Bundesbank warnt vor Überbewertung / Branchen von DM-Aufwertung unterschiedlich betroffen

FRANKFURT (MAIN) / BERLIN (ro / jojo).Die Europäische Währungsunion (EWU) wird deutschen Unternehmen zwar eine Entlastung bringen, weil die Anfälligkeit für Wechselkursstörungen sinkt.Diese "immunisierenden" Wirkungen, warnt die Bundesbank im jüngsten Monatsbericht, dürften aber nicht überbewertet werden.Grund: Höhere Schwankungen der Währungen außerhalb der EWU.Entscheidend sei, wie schnell der Euro die derzeit starke Rolle der D-Mark übernehmen und ob die europäische Geldpolitik die notwendige stabilitätspolitische Führung darstellen könne. Sollten alle EU-Staaten an der EWU teilnehmen, würde der wechselkursabhängige Teil des deutschen Außenhandels am deutschen Bruttoinlandsprodukt von knapp 21 auf nur noch neun Prozent sinken, rechnen die Währungshüter vor."Das Potential an Wechselkursstörungen für die deutsche Wirtschaft wird merklich zurückgehen." Die Bundesbank warnt allerdings davor, diesen Vorteil zu hoch einzustufen.Weil die Wirtschaft schon jetzt von stabilen Wechselkursen profitiere, räume der Schritt in den Euro weniger Unsicherheiten aus, "als man auf den ersten Blick vielleicht vermuten könnte".Mit der unwiderruflichen Fixierung der Wechselkurse schwindet zudem auch ein Weg, fundamentale Ungleichgewichte zwischen den einzelnen Volkswirtschaften - etwa bei den Arbeitskosten - über den Wechselkurs auszugleichen."Wirksame Vorkehrungen dagegen lassen sich nur durch entschlossene Konvergenzbemühungen bei allen Teilnehmern treffen", warnt die Notenbank. Nach Berechnungen der Bundesbank verändert die EWU auch die Wechselkurseffekte auf die Exporte und die Importe.Bislang dämpft eine dauerhafte Aufwertung der D-Mark um ein Prozent gegenüber den 18 wichtigsten Industrieländern die Ausfuhr um 0,7 Prozent.Da ein Großteil dieser Exportländer mit der EWU zum Binnenmarkt wird, reduziert eine solche Aufwertung die Exporte nur noch um 0,3 Prozent.Allerdings warnen die Bundesbanker vor möglichen Störungen.So rechnen sie mit größeren Schwankungen der Währungen außerhalb der EWU.Dies könne die positiven Effekte durch Wechselkursvorteile innerhalb der EWU "beträchtlich" schmälern.Daneben könnten internationale Anleger durch zu erwartende Umschichtungen der Portfolios für Störungen sorgen. Viel hängt nach Ansicht der Bundesbank mit Blick auf mögliche Vorteile aus dem Wegfall der Währungsschwankungen innerhalb der EWU davon ab, wie sich der Wechselkurs des Euro gegenüber Drittwährungen wie Dollar oder Yen entwickelt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat ausgerechnet, daß die exportorientierten Branchen unterschiedlich stark auf Wechselkursveränderungen reagieren.Hersteller von Autos und Autoteilen verlieren rund ein Prozent ihrer Aufträge, wenn die D-Mark um ein Prozent aufgewertet wird.Würden die Hersteller ihre Exportpreise konstant halten, würden die Einbußen noch größer ausfallen, so das Berliner Institut in seinem jüngsten Wochenbericht.Die Unternehmen würden die Preise allerdings meist nur um die Hälfte der Steigerung des realen Außenwertes der D-Mark senken.Die chemische Industrie reagiert anders: Sie verändert nicht die Preise, sondern die Liefermengen.Vergleichsweise wenig betroffen ist der deutsche Maschinenbau.Wird die Mark um ein Prozent teurer, sinken die Bestellungen aus dem Ausland nur um 0,4 Prozent.Der Grund: Die Preisvergleiche im Maschinenbau seien schwieriger, schreiben die Wirtschaftswissenschaftler, weil die deutschen Firmen sich auf Sonderanfertigungen spezialisiert hätten.Am stärksten reagieren die Hersteller von Büromaschinen auf Wechselkursveränderungen.Sie verlieren zwei Prozent ihres Auftragsvolumens, wenn die D-Mark um ein Prozent teurer wird.

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