Wirtschaft : Euro-Countdown: Europas neues Geld ist besser als sein Ruf

Carsten Brönstrup

Nach gut zwei Jahren mit der Gemeinschaftswährung ist klar: Der Euro ist besser als sein Ruf. Trotz der Schwäche gegenüber dem US-Dollar ist das Image der Währung zu Unrecht getrübt. Wirtschaft und Verbraucher haben bislang überwiegend profitiert, auch ohne den Euro als Schein oder Münze in Händen halten zu können.

Inflation: Auch wenn sich die Geldentwertung durch das teure Öl im vergangenen Jahr beschleunigt hat - eine Rate von 2,6 Prozent ist vor allem für die südlichen Teilnehmerländer bemerkenswert niedrig, die über Jahre an zweistellige Werte gewöhnt waren. Und den Erwartungen der Europäischen Zentralbank zufolge wird sich die Inflation in diesem Jahr wieder um die Marke von zwei Prozent einpendeln. 1999, im ersten Jahr der Einheitswährung, lag die Inflation sogar mit 1,3 Prozent auf einem Rekordtief. Die von den Euro-Kritikern gefürchtete rasante Geldentwertung, im Gleichklang mit hohen Leitzinsen, ist ausgeblieben - für das Ersparte der Bürger besteht weiterhin keine Gefahr.

Finanzmärkte: Am deutlichsten haben die Börsianer die Einführung der neuen Währung gespürt. Ob Anleihen und Aktien, alles wird europaweit seit Anfang 1999 nur noch in Euro notiert und gehandelt. Der Vorteil: Die Eurozone ist ein einheitlicher Markt für Finanzprodukte und -dienstleistungen geworden, in dem Währungsschwankungen nicht mehr die Kurse beeinflussen. Gleichwohl steht die Vereinheitlichung der Aktienmärkte noch aus. Das Vertrauen der Märkte in die Währung - trotz aller Euroschwäche - zeigt sich auch durch die vergleichsweise niedrigen Zinsen für langfristige Anleihen: Sie liegen um deutlich mehr als einen Prozentpunkt unter der Marke von sechs Prozent, die in Deutschland nach dem Krieg als eine Art natürliche Untergrenze galt. Dies kommt vor allem Bauherren zu Gute.

Arbeitslosigkeit: Nicht nur das gute Klima der Weltwirtschaft, auch die niedrigen Realzinsen gaben der Konjunktur einen Schub, vor allem seit Anfang vergangenen Jahres. So entstanden seit Beginn der Währungsunion zahlreiche Jobs. Lag die Arbeitslosenquote in Euroland 1997 noch bei 11,7 Prozent, waren es im Januar 2001 saisonbereinigt nur noch 8,7 Prozent.

Außenhandel: Für die exportorientierte Wirtschaft Europas ist der seit vielen Monaten niedrige Eurokurs ein Segen, denn er macht Produkte vom alten Kontinent vor allem jenseits des Atlantiks wettbewerbsfähiger. Auch innerhalb Europas ist der Euro wichtig: Die Hälfte der deutschen Ausfuhren geht in die Euro-Teilnehmerländer. Und eine Währungsunion macht für die Firmen Absicherungsgeschäfte gegen Kursschwankungen überflüssig. Jedoch ist der Euro noch nicht in dem Maße zu einer weltweiten Handelswährung aufgestiegen, wie es seine Befürworter erhofft hatten.

Staatsfinanzen: Die Befürchtung, nach Erfüllung der strengen Konvergenzkriterien werde der Schlendrian in die Etats zurückkehren, hat sich nicht bestätigt. Die meisten Euroländer steuern auf ausgeglichene Haushalte zu - das vergrößert den zukünftigen Spielraum der Finanzminister.

Reise: Der Segen einheitlichen Bargeldes zwischen Gibraltar und Usedom kommt zwar erst Anfang 2002, doch schon der Wegfall von Währungsschwankungen zwischen Mark, Franc oder italienischer Lira kommt Touristen zu Gute. So lassen sich die Kosten einer Reise präzise vor Beginn des Urlaubs kalkulieren.

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