Wirtschaft : Euro-Countdown: Noch 11 Wochen: Von deutschen Fürsten bis zum europäischen Einheitsgeld

Helmut Caspar

"Der Countdown läuft - Der Euro kommt". Bis zum Jahreswechsel beleuchtet der Tagesspiegel jeweils am Sonnabend mit Berichten, Reportagen, Interviews und Standpunkten die verschiedenen Aspekte der Euro-Bargeldeinführung.

Als vor 130 Jahren im neuen deutschen Kaiserreich die Mark erdacht wurde, standen verschiedene Namen zur Auswahl. Gulden sollte das Einheitsgeld nicht heißen. Das wäre zu österreichisch-süddeutsch gewesen. Auch nicht Taler. Das roch nach preußischer Dominanz. Man einigte sich auf die Mark. Als Vorbild diente die seit Jahrhunderten von norddeutschen Hansestädten geprägte Silbermark, die wegen ihrer gleichbleibenden Qualität hohes Ansehen genoss. Damit hatte der bisherige Vereinstaler zwar ausgedient. Doch der Name Taler für das Dreimarkstück hielt sich noch recht lange. Die Schaffung der Mark, die übrigens erst nach dem Ende der Monarchie (1918) in Renten- beziehungsweise Reichsmark umbenannt wurde, krönte Bemühungen der deutschen Fürstentümer und freien Städte seit dem frühen 19. Jahrhundert um die Herstellung der Münzeinheit. Mit der Mark wurde das Wirrwarr unterschiedlicher Münzsysteme, das den Handel stark behindert hatte, endlich überwunden. Unzählige Münzen wanderten in den Schmelztiegel. Neue, einheitlich gestaltete Geldstücke aus Gold, Silber und anderen Metallen wurden geprägt. Das beschwerliche Umrechnen von Talern in Gulden, von Kronen in Dukaten, von Pfennigen und Groschen in Kreuzer oder Heller hatte endlich ein Ende. Zwischen Francs, Gulden, Dollar, Rubel, Pfund Sterling, Lira und anderen Währungen auf der einen und der Mark auf der anderen Seite gab es feste Kurse. Der Einbindung des Deutschen Reichs in den Welthandel kam das direkt zu Gute.

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Der Euro kommt - Infos zur Währungsumstellung Die erstarkende Wirtschaftskraft des Kaiserreichs trug wesentlich zum Ansehen der Mark bei. Vor allem aber konnten Banknoten und Silbermünzen in Gold umgetauscht werden. Privatleuten war sogar gestattet, ihre Goldbestände in der Berliner Münze und den anderen staatlichen Prägeanstalten in Zwanzig- und Zehnmarkstücke mit Fürstenköpfen und Städtewappen zu verwandeln. Die in Berlin ansässige Reichsbank wachte eisern über die Stabilität der Währung, der Druck von Banknoten unterlag strenger Reglementierung und wurde zunehmend fälschungssicherer.

Im und nach dem Ersten Weltkrieg beeinträchtigten die enormen Militärausgaben dann aber die Kaufkraft der Mark. Die Notenpressen spuckten immer größere Geldscheinmengen aus.

Vom "Hexensabbath der phantastischen Irrsinnszahlen" sprach der ostdeutsche Schriftsteller Stefan Zweig. Nichts habe das deutsche Volk so erbittert, so "hasswütig und hitlerreif" gemacht wie diese Inflation. Allein 1923 wurden etwa zehn Milliarden Geldscheine im Wert von 3877 Trillionen Mark gedruckt.

Nach 1923 mühte sich die Reichsregierung um Geldstabilität. Doch die so genannten goldenen Zwanziger brachten nur eine kurze wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Die Aufrüstung beeinträchtigte die Wirtschaft in den 30er Jahren zunehmend. Systematisch wurden auch Edelmetallmünzen aus dem Umlauf gezogen und durch Papier ersetzt. Bis zur Währungsreform 1948 gab es das alte Geld noch - mit und ohne Hakenkreuz. Aber es war fast nichts mehr wert. Auf dem schwarzen Markt waren vor allem Sachwerte gefragt. Zigaretten waren die Ersatzwährung im Tauschhandel.

Die Ausgabe der Deutschen Mark in den Westzonen durch die Währungsreform vom 19. Juli 1948 wurde von der Sowjetischen Besatzungszone mit der Ausgabe eigenen Geldes und der Berlin-Blockade beantwortet. Bis zur Wiedervereinigung standen sich Deutsche Mark (West) und Mark der DDR, eine reine Binnenwährung, gegenüber. Wer im Arbeiter-und-Bauern-Staat Westwaren oder "gehobene" Konsumgüter haben wollte, musste DDR-Mark etwa fünf zu eins umtauschen.

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