Wirtschaft : Euro-Countdown: noch 13 Wochen: Ein Euro-Gefühl für Automaten

Rolf Obertreis

"Der Countdown läuft - Der Euro kommt". Bis zum Jahreswechsel beleuchtet der Tagesspiegel jeweils am Sonnabend mit Berichten, Reportagen, Interviews und Standpunkten die verschiedenen Aspekte der Euro-Bargeldeinführung.

Michael Stumm ist bereits Stammkunde. Er weiß schon gar nicht mehr genau, wie oft er in die fensterlosen Kellerräume des ehemaligen Luftschutzbunkers der Mainzer Landeszentralbank (LZB) herabgestiegen ist. 15, vielleicht auch 20 Mal. Immer aus dem gleichen Grund: Seine Geräte müssen auf die neuen Euro-Münzen geeicht werden. Und die gibt es noch nicht einfach so in der Bank oder Sparkasse. Für Leute wie Stumm, der mit seiner Firma Conelectronic aus Burgrieden in der Nähe von Ulm eine Box zum Einstellen von Münzprüfern in Zigaretten- oder auch anderen Automaten produziert, für Hersteller von Fahrschein-, Geldspiel- und Waren-Automaten und für Firmen, die Münzprüfgeräte vertreiben, hat die LZB in Mainz schon im Juli 1999 ein Testzentrum eingerichtet. Damit die Geräte mit den neuen Euro-Münzen und ihren Eigenheiten vertraut gemacht werden können und die Euros ab Januar nicht einfach ausspucken, ohne Zigaretten, einen Schokoriegel oder auch eine Cola-Dose herauszurücken. Eine wichtige Aufgabe: Immerhin gibt es allein in Deutschland 2,4 Millionen Automaten, in ganz Euroland sind es zehn Millionen.

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Euro-Testzentrum nennen sich die fünf kargen Räume im ehemaligen LZB-Luftschutzkeller in Mainz. Mehrere dicke Türen, gesichert mit verschiedenen Codes, müssen überwunden werden, bevor der Bunker betreten werden kann. Im ersten Raum sitzen zwei Mitarbeiter der LZB, vor ihnen Zählgeräte und ein dickes Buch, hinter ihnen mehrere Container mit beigen Jute-Säcken. Aufdruck: "Deutsche Bundesbank". Inhalt: Euro-Münzen in allen Stückelungen von der zehn-Cent-Münze bis zum zwei-Euro- Stück. Vor allem aber Euro-Münzen aus allen 15 Prägeanstalten der zwölf Euro-Länder. Schließlich müssen die Automaten mit allen verschiedenen Euro-Münzen zurecht kommen. Die sind zwar in ihrer Beschaffenheit gleich, aber die Rückseiten weisen insgesamt 45 verschiedene nationale Motive auf.

Elf solcher Testzentren gibt es in Euroland: In Mainz und Hamburg, in Helsinki, in Mailand, in Amsterdam und im französischen Pessac. Zwar können Euro-Münzen auch bei anderen Notenbanken und ihren Ablegern getestet werden, aber dort jeweils nur die Münzen aus nationaler Produktion. "Nur jene sechs Euro-Testzentren haben die Münzen aus allen Prägeanstalten", sagt Annemarie Graf, die Leiterin des Euro-Testzentrums in Mainz.

Wahre Schätze stapeln sich im Mainzer Testzentrum, jeweils 1000 unterschiedliche Münzen je Prägestätte und Jahrgang. Die Euro-Münzen werden schließlich schon seit 1999 hergestellt. Leute wie Stumm allerdings gehen damit ganz pragmatisch um. Jedes Mal, wenn er kommt, wird in jenem dicken Buch von den LZB- Mitarbeitern genau festgehalten, welche Euro-Münzen und wieviele er zu Testzwecken bekommt. Wenn er die Kellerräume verlässt, muss er alle Münzen wieder abgeben, auf Euro und Cent wird nachgezählt. So geht es allen Münztestern, die nach Mainz kommen. Rund 130 Firmen aus dem In- und Ausland haben seit Mitte 1999 ihre Experten nach Mainz geschickt. Tausende von Euro-Münzen sind durch ihre Hände gegangen und durch ihre Geräte gefallen. "Gewicht, Dicke, Höhe, Klang, Magnetismus und Leitfähigkeit des Materials sind die wichtigsten Prüfkriterien", sagt LZB-Hauptbereichsleiter Helmut Rittgen. Bisweilen herrscht im Euro-Testzentrum in Mainz noch Hochbetrieb, doch bald wird es ruhiger und am 22. Dezember wird es endgültig geschlossen. Wenn die Bundesbürger ab 17. Dezember, also zwei Wochen vor der endgültigen Einführung des Euro-Bargeldes, die ersten Euro-Münzen in Form eines Starter-Kits bei Banken und Sparkassen erstehen und die neue Währung erstmals in Händen halten, sollen auch die Automaten, Geldprüfgeräte und Michael Stumms Sturi-Box 2000 auf den Euro geeicht sein.

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