Wirtschaft : Euro-Countdown: noch 21 Wochen: Auf den Jahrgang kommt es an

Helmut Caspar

"Der Countdown läuft - Der Euro kommt". Bis zum Jahreswechsel beleuchtet der Tagesspiegel jeweils am Sonnabend mit Berichten, Reportagen, Interviews und Standpunkten die verschiedenen Aspekte der Euro-Bargeldeinführung.

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Der Euro-Countdown In diesen Tagen werden daheim die Sparschweine geschlachtet. Kistchen und Kästen mit Markstücken, Fünfzigern und Pfennigen werden geleert. Säckeweise landet das, was mit den Jahren weggelegt und oft auch vergessen wurde, nun bei Banken und Sparkassen. Hartgeld im Wert von über 4,5 Milliarden Mark ist nach Erhebungen der Bundesbank schon auf Konten eingezahlt worden. Bis zur Einführung des Euro am 1. Januar 2001 wird mit etwa sieben Milliarden Münzen gerechnet, die aus den Beständen zu Hause aufs Konto wandern.

Animiert durch Werbeaktionen, Rundfunk- und Fernsehsendungen sucht dabei manch einer daheim in seinen Beständen nach Raritäten. Immerhin soll es unscheinbare Stücke geben, für die Sammler vierstellige Beträge bezahlen. Doch niemand sollte sich zu früh freuen: In der Praxis ist der Fund solcher Raritäten vergleichbar mit einem Sechser im Lotto. Um sich vor allzu großen Enttäuschungen zu schützen, sollte bei der Begutachtung der Exemplare ein Katalog zurate gezogen werden. Denn Jahreszahl ist nicht gleich Jahreszahl und Münzzeichen nicht gleich Münzzeichen.

Es sind in erster Linie Münzen, die eigentlich nie eine Prägeanstalt hätten verlassen dürfen, die zu den wertvollsten Stücken gehören und heute in Händlerkreisen kursieren. Versehen mit einer falschen Inschrift oder in kleiner Stückzahl geprägt, erzielen sie in Sammlerkreisen enorme Preise. Das betrifft Taler aus königlicher Zeit ebenso wie Hartgeld aus der Weimarer Republik.

Während beispielsweise von den bekannten Fünfzigpfennigstücken mit der Aufschrift "Bank deutscher Länder" von 1949 noch Millionen Exemplare umlaufen, meist zerkratzt und abgerieben, ist die Ausgabe von 1950 mit der gleichen Umschrift um die Wertziffer ausgesprochen selten. Nur 30 000 Stück wurden aus Versehen in der Münzstätte Karlsruhe, kenntlich am Münzzeichen G, davon hergestellt. Die Verwendung der Banken-Inschrift war 1950, nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland, nicht mehr zulässig. Ganz normale Stücke, die zu Hunderten Millionen geprägt wurden, tragen korrekt die neue Staatsbezeichnung und sind daher Massenware, für die man nicht viel mehr als 50 Pfennig bekommt.

Ob 1949 oder 1950 - dieser kleine Unterschied macht aus einem ganz normalen Fünfziger eine bei Sammlern hoch bezahlte Rarität, die schon mal im Handel 2000 Mark bringen kann, vor allem, wenn das Stück makellos erhalten ist. Ein 1958 in einer Auflage von nur 60 000 Stück in Hamburg (Münzzeichen J) geprägtes Fünfmarkstück erzielt bis zu 12 000 Mark, wenn es in der Erhaltung "Stempelglanz", also ungebraucht und makellos, angeboten wird. Vorsicht ist aber auch hier vonnöten, denn an den Zahlen ist schon manipuliert worden, um einen normalen Fünfer in eine Seltenheit zu verwandeln. Wertvolles findet sich auch unter Hamburger Zweipfennigstücken (Münzzeichen J) aus Kupfer von 1967 und 1968. Magnetische Zweipfennigstücke von 1967 aus Karlsruhe und Hamburg sind ebenfalls begehrte Sammlerstücke, so unscheinbar sie auch sein mögen. Seltenheiten tauchen außerdem bei den mit Politikerköpfen geschmückten Zweimarkstücken und anderen Sorten auf.

Freilich sind die meisten Münzen in hoher Auflage und obendrein in recht abgegriffenem Zustand in Umlauf. Und auch bei den meisten bundesdeutschen Gedenkmünzen kann man kaum das "schnelle Geld" machen. So sind die silbernen Zehnmarkstücke von 1972 zur Olympiade in München überall zu haben und erzielen Katalogpreise zwischen zwölf und 18 Mark - wenn man sie überhaupt verkaufen kann. Beim Zehnmarkstück zur Zweihundertjahrfeier des Brandenburger Tores von 1991 und den vielen anderen Gedenkmünzen verhält es sich ähnlich. Da scheint es sinnvoller, manche Pfennigstücke oder Groschen einfach als Andenken zu behalten. Auch Warten kann sich bezahlt machen: Für preußisches Silber und antikes Kupfer bekommt man heute leicht zwei- und dreistellige Summen.

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