Wirtschaft : Euro-Debatte läßt die Märkte kalt Streit zwischen Chirac und Jospin

Die künftige Eurowährung als "Instrument für das Wirtschaftswachstum"

PARIS.Die künftige Eurowährung soll als "Instrument für das Wirtschaftswachstum" genutzt werden.Dies erklärte der französische Staatspräsident Jacques Chirac am Mittwoch.Nähere Erläuterungen - etwa dazu, ob dies eine Änderung des bisherigen Maastricht-Kurses bedeutet - gab Chirac nicht.Chiracs Bemerkung wurde in Paris mit besonderer Aufmerksamkeit aufgenommen, da sich auch Sozialistenchef Lionel Jospin dafür stark macht, den Euro für mehr Wachstum einzusetzen.Allerdings ist Jospins Vorschlag, den Stabilitätspakt durch einen Wachstumspakt zu ersetzen, umstritten.Präsident Chirac hatte bei einem Kurzbesuch von Bundeskanzler Kohl in Paris gesagt, Frankreich müsse in der Europapolitik mit einer Stimme sprechen.Dies war als Kritik an Jospins Europapolitik gewertet worden.Kohl lehnte eine Neuverhandlung des Maastricht-Vertrags oder des Stabilitätspaktes ab.Die französischen Sozialisten wollen im Falle eines Wahlsieges mit Bonn über den Euro verhandeln.Ihr Wahlprogramm enthält vier Bedingungen: Die Gemeinschaftswährung müsse zeitgleich mit Frankreich auch in Italien eingeführt werden; der künftigen Europäischen Zentralbank müsse eine Wirtschaftsregierung zur Seite gestellt werden; der Stabilitätspakt soll durch einen Wachstumspakt ersetzt werden; schließlich dürfe der Euro gegenüber Dollar und Yen nicht überbewertet werden.In einem Interview mit der Zeitung "Le Monde" stellte Sozialistenchef Jospin klar, daß diese Bedingungen nicht um den Preis einer deutsch-französischen Krise durchgesetzt werden sollen.Es gehe nicht um "alles oder nichts", sondern um eine "Diskussion mit einer vernünftigen Ausgangsbasis".Die sozialistische Europolitik werde im übrigen auch vom ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten Jacques Delors geteilt.An den Märkten hat die französische Euro-Debatte bisher keinerlei Wirkung gezeigt.Die Pariser Börse setzte gestern ihre Hausse fort; der Franc blieb fest.Börsenexperten rechnen allerdings damit, daß die Kurse bei einem Wahlsieg der oppositionellen Sozialisten nachgeben könnten.Als Hauptgrund dafür wird das ausgabenintensive Wirtschaftsprogramm der Sozialisten angeführt, nicht ihre Europapolitik.Unter anderem versprechen die Sozialisten die Schaffung von 300 000 Arbeitsplätzen für Jugendliche im öffentlichen Sektor, die 35-Stunden-Woche mit vollem Lohnausgleich sowie Lohnerhöhungen.ERIC BONSE

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