Wirtschaft : Euro: Der Euro in fragiler Balance

Rainer Hank

Man kann das Dänen-Votum drehen wie man will: Auf absehbare Zeit wird es zwei Europas geben, eines im und ein anderes außerhalb des Euroraums. Die Gemeinschaftswährung wird dadurch nicht gestärkt. Die Beschwichtigungen nach dem negativen Ausgang des Referendums sind leicht zu durchschauen. Die Angst vor einem weiteren Verfall des Euro muss groß sein, wenn die Finanzminister und Notenbanker sich zu gemeinsamen beschwörenden Gesten herausgefordert sehen. Doch das Misstrauensvotum der Finanzmärkte bleibt eindeutig. Starke Volkswirtschaften im Norden und Westen Europas sehen derzeit wenig Anlass, ihre Währungen aufzugeben. Nur schwache Kandidaten - von Griechenland bis Polen - wollen eher heute als morgen dem Euroraum beitreten. Für die großen Anleger an den Devisenmärkten ist das kaum ein Argument dafür, ihr bisheriges Investitionsverhalten zu ändern. Doch welches Argument sollten die Briten haben, ihr Pfund aus dem Wettbewerb der Währungssysteme zu nehmen? Zu Recht wähnen sie - lange nicht nur die Konservativen -, ein Beitritt zum Euroraum zwinge sie zur Angleichung ihrer Steuer-, Fiskal- und Arbeitsmarktsysteme an die Bedingungen Kontinentaleuropas. Dann lieber mit dem Pfund stark bleiben. Was ist eine Währung wert, die nur durch die Drohung weiterer Interventionen davor bewahrt wird, noch schwächer zu werden. Der Zirkel ist noch nicht durchbrochen: Ein schwacher Euro stärkt den Export. Das bremst den Reformeifer Kontinentaleuropas, was wiederum den Euro schwächt. Es ist eine ziemlich künstliche und zudem recht fragile Position, welche den Euro derzeit über 87 Cent hält.

0 Kommentare

Neuester Kommentar