Wirtschaft : Euro: Der Währung fehlt das Vertrauen (Kommentar)

Martina Ohm

Europas Gemeinschaftswährung kommt aus ihrem Tief nicht heraus. Wie labil der Euro ist, hat zuletzt die Reaktion auf die deutsche Steuerreform bewiesen. Obwohl das Ausland das Ende des deutschen Reformstaus begrüßte, waren die Anleger nicht aus ihrer Reserve zu locken. Als ob eine strukturell gesunde Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft für die Gemeinschaftswährung keinerlei Bedeutung hätte. Doch so richtig traut der Markt dem Reformeifer der Deutschen offenbar nicht. Einen Vertrauensbeweis kann man an Kursen jedenfalls nicht ablesen. Hingegen genügt die kleinste Kleinigkeit, um die Devisenhändler aus der Fassung zu bringen. Erbarmungslos kehren sie dem Euro den Rücken, sobald sich - wie jetzt - auch nur in Ansätzen eine Entwicklung abzeichnet, die der Währung negativ ausgelegt werden könnte. Schließlich muss die Wirtschaft auch bei zwei Prozent Inflation und etwas höheren Zinsen noch nicht zwangsläufig in die Knie gehen. Das kommt auf das Fingerspitzengefühl der Währungshüter an. Tatsache ist, dass zurzeit weder die Lage der öffentlichen Haushalte noch die Konjunkturentwicklung im Euroraum Anlass zu ernsthafter Beunruhigung geben. Die Bemühungen, Schulden und Etatdefizite abzubauen, zeigen flächendeckend erste Erfolge. Die Konjunkturdynamik ist noch ungebrochen. Und während die Europäer auf einen Leistungsbilanzüberschuss verweisen können, nimmt die außenwirtschaftliche Schieflage der Amerikaner mittlerweile bedenkliche Größenordnungen an. Den Markt kümmert das nicht. Die EZB und der Euro sind junge Gebilde. Ihre Bewährungsprobe steht noch bevor.

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