Wirtschaft : Euro: Die Devisenhändler blicken gebannt auf die USA

Der Euro hat am Mittwoch deutlich gegen den US-Dollar an Wert gewonnen und ist über die Marke bei 0,90 Dollar gestiegen. Die Gemeinschaftswährung habe auch die wichtige Widerstandslinie bei 0,9030 Dollar durchbrochen, sagten Händler. Gegen 17 Uhr notierte der Euro bei 0,9055 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9059 (Dienstag: 0,8903) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1590 (2,1968) Mark. Nachdem die Gemeinschaftswährung die Widerstandslinie von 0,9030 Dollar überschritten hatte, kletterte die Euro zwischenzeitlich sogar auf 0,9085 Dollar.

"Der Dollar bleibt unter Druck, nachdem die US-Notenbank am Dienstag vor einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums gewarnt hatte", sagte Sonja Hellemann, Devisenanalystin bei Dresdner Kleinwort Benson. Zudem sei der deutliche Rückgang an der US-Technologiebörse Besorgnis erregend. "Die Stimmung an den Devisenmärkten hat sich gegen den US-Dollar gerichtet", sagte Hellemann. "Gleichstand" - lautet die Prognose der deutschen Großbanken in Sachen Euro-Dollar-Verhältnis für 2001. Der krisenerprobte Euro kriegt im kommenden Jahr die Kurve, prophezeien die Analysten. Sollte der Stand von 1:1 der Währungen tatsächlich erreicht werden, müssten für einen Dollar nur noch 1,96 Mark gezahlt werden.

Ob dies wirklich eintritt, ist auch stark an die Entwicklung der US-Wirtschaft gekoppelt. Die Dresdner Bank ist noch unentschieden: "Es wird in der Tat eine Gratwanderung", urteilen die Experten der Volkswirtschaftlichen Abteilung. Aber auch für den Euro-Raum werden die konjunkturellen Perspektiven unterschiedlich beurteilt. "Allerdings geht es für den Euro-Raum - anders als für die USA - nicht um die Frage, ob der Aufschwung abbricht, sondern nur um das Tempo der Aufwärtsentwicklung." Auch Bernd Weidensteiner, Volkswirt bei der DG Bank, weiß: "Die Devisenhändler gucken gebannt auf die USA." Bis vor kurzem sei die Wahrnehmung noch asymmetrisch verlaufen: Beim Euro seien nur schlechte, beim Dollar nur gute Nachrichten registriert worden. "Das hat sich erst im Herbst/Winter dieses Jahres geändert." In Europa sei davon auszugehen, dass nach der Winterdelle wieder befriedigende Wachstumsraten zu erwarten sind. Die Steuerreformen im Euro-Raum stärkten die Binnenkaufkraft, der Ölpreis werde im Jahresschnitt 2001 vermutlich deutlich unter dem dieses Jahres liegen und die Entwicklung an den Arbeitsmärkten verlaufe zufrieden stellend.

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