Wirtschaft : Euro: Die Euro-Schwäche wird für Verbraucher teuer

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Fast alle Unternehmen betrachten den schwachen Euro mit zunehmender Sorge. Die Verbraucher bekommen die Währungskrise nicht nur an den Tankstellen zu spüren. Am 1. November wird die Lufthansa ihre Preise erhöhen. Nach einem erneuten Tiefstand der Währung bei einem Referenzkurs von 0,8252 US-Dollar warnen die Wirtschaftsverbände nun vor einer importierten Inflation. Preiserhöhungen seien für einige Branchen unausweichlich.

Die Deutsche Lufthansa sieht sich bereits zum Handeln gezwungen. Sie erhöht zum 1. November ihre Preise im innerdeutschen Flugverkehr. Wie ein Lufthansa-Sprecher dem Handelsblatt bestätigte, werden die Tickets durchschnittlich um rund vier Prozent teurer. Ein Grund seien die gestiegenen Treibstoffpreise. Zwar habe Lufthansa die Rohölpreise über Termingeschäfte abgesichert. Doch seien die Preise für verarbeitetes Flugbenzin überdurchschnittlich gestiegen.

Auch die Touristikbranche insgesamt wird bald reagieren. Die Katalogpreise für den Sommer 2001 werden zum Teil kräftig erhöht. So hat der Veranstalter FTI Touristik die Preise bereits um drei bis fünf Prozent angehoben. Bei LTU steigen die Preise für USA-Reisen um etwa vier Prozent. Dass Pauschalreisen nicht noch teurer werden, liegt am harten Wettbewerb unter den Charterfluggesellschaften. Besonders belastend wirkt sich die Euro-Schwäche auf die Mineralölindustrie aus. Denn in Euroland werden Einfuhren von Ölprodukten in Dollar abgerechnet. Dies gilt auch für Gas- und Heizöllieferanten. "Der Euro-Verfall hat die Importe für uns stark verteuert. Wir konnten dies nicht an die Konsumenten abwälzen", sagt Rainer Winzenried von der Deutschen Shell.

Inzwischen macht der Euro-Wertverlust selbst weltweit agierenden US-Unternehmen wie Coca-Cola zu schaffen. So warnte der Finanzchef des Konzerns, Gary Fayard, jetzt die US-Regierung, dass ein schwacher Euro spätestens im kommenden Jahr auf die Erträge von Coca-Cola durchschlagen werde. Denn der weltgrößte Limonaden-Hersteller erwirtschaftet 16 Prozent seiner Erträge in Europa. Selbst in Nischen macht sich der Kursverfall bemerkbar: "Preiserhöhungen für die kommende Saison sind unumgänglich", kündigte der Verband der Spielwaren-Industrie in Nürnberg an. Zwar werde es im Weihnachtsgeschäft kaum Preiserhöhungen geben, da die Preise bereits seit Februar vereinbart sind. Umso stärker sei der Druck in der neuen Saison.

Profitieren vom hohen Dollarkurs kann dagegen die europäische Luftfahrtindustrie. So werden Flugzeuge weltweit in Dollar verkauft, die Kosten fallen aber bei Airbus nur zur Hälfte in Euro an. Das bringt den US-Konkurrenten Boeing unter Druck. Im Wettbewerb um Aufträge haben die Europäer zurzeit einen höheren Spielraum bei Preiszugeständnissen. Allein in diesem Jahr schlage der starke Dollar mit einem positiven Effekt von 440 Millionen Euro zu Buche, teilte die Airbus-Mutter EADS mit.

"Der Euro wird noch einige Zeit brauchen, bis er seine Schwächephase überwindet", befürchtet Michael Fuchs, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA). Knapp die Hälfte der Mitgliedsunternehmen rechnet mit einem stagnierenden oder niedrigen Kurs, 19 Prozent gehen gar von einer weiteren Schwächung der Währung aus. Fuchs nannte den niedrigen Euro gestern ein "zweischneidiges Schwert". So würden die exportierenden Firmen zwar wettbewerbsfähiger, jedoch könnten sich die Unternehmer auf den steigenden Umsätzen ausruhen und liefen Gefahr, nicht im nötigen Maße zu rationalisieren. Außerdem verteuert der billige Euro die Importe von Computern und anderen elektronischen Geräten aus Asien. Der schwache Euro wirke wie Doping, das ja bekanntlich auch mehr Nebenwirkungen als Wirkung habe. Sorgen bereiten Fuchs auch der gestiegene Ölpreis, der ebenfalls die Inflation antreibt. Mit 2,5 Prozent liegt die Preissteigerungsrate so hoch wie lange nicht mehr. Das teure Öl trägt dazu mit rund einem Drittel bei, schätzt der BGA. Der deutschen Binnenkonjunktur würden daher in diesem Jahr 40 bis 50 Milliarden Mark entzogen. Da jedoch alle Industrieländer unter dem teuren Öl leiden, wird der Nachfrageausfall auch die deutschen Exportchancen betreffen. Fuchs rechnet daher nur mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 2,7 Prozent in diesem und 2,5 Prozent im nächsten Jahr.

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