Wirtschaft : Euro: Die Europäische Zentralbank stützt die Gemeinschaftswährung

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit einer überraschenden Intervention am Freitag den Stimmungsumschwung zu Gunsten des Euro unterstützt. Vier Tage vor der US-Präsidentenwahl griffen die Währungshüter an den Internationalen Devisenmärkten ein und kauften massiv Euro. Unmittelbar danach kletterte der Eurokurs bis auf 0,88 US-Dollar. Am Nachmittag sank der Kurs dann allerdings wieder bis auf 0,8650 Dollar.

Den Referenzkurs setzte die Zentralbank mit 0,8730 (Donnerstag 0,8646) Dollar fest. Die US-Währung kostete damit 2,2404 (2,2621) Mark. Grund für den Eingriff war nach Angaben der EZB die wachsende Sorge um negative Auswirkungen des schwachen Euro auf die Weltkonjunktur und auf die Inflation in Euroland. Der derzeitige Wechselkurs spiegele die wirtschaftlichen Fundamentaldaten in der Euro-Zone nicht wieder, betonte ein EZB-Sprecher.

Die Intervention wurde von Devisenhändlern und Volkswirten einhellig begrüßt, weil sie in einen ohnehin seit Tagen sichtbaren Aufwärtstrend des Euro hinein erfolge. Als Nachteil betrachten die Experten allerdings, dass der Markteingriff im Gegensatz zur Intervention Ende September ohne Beteiligung der US-Notenbank und der Bank von Japan (dort war am Freitag ein Feiertag) vorgenommen wurde. Die G-7 Staaten seien aber informiert gewesen, hieß es in Frankfurt.

Der französische Finanzminister Laurent Fabius begrüßte die Intervention. Die Maßnahme stehe in Übereinstimmung mit der Haltung der europäischen Finanzminister, erklärte er in Paris. Auch die Bank von England, die nicht an den Stützungskäufen beteiligt war, äußerte sich positiv. Bundesbank-Präsident Ernst Welteke sagte, die Intervention habe gute Erfolgsaussichten, auch wenn sich die Amerikaner nicht daran beteiligt hätten. Es sei derzeit - offenbar wegen der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen - nicht einfach, sie dafür zu gewinnen.

Devisenhändler und Volkswirte zeigten sich zwar überrascht, weil sie vor den US-Wahlen am kommenden Dienstag nicht mit Interventionen gerechnet hatten. Sie begrüßten den Schritt aber einhellig. "Das scheint eine länger angelegte Aktion gewesen zu sein", sagte ein Devisenhändler vom Bankhaus Sal. Oppenheim. "Die Intervention ist gut, weil sie überraschend kommt und einen bereits vorhandenen Trend unterstützt", betonte Petra Köhler von der Dresdner Bank. Aufgrund der schwächeren US-Wirtschaftsdaten für das dritte Quartal und der weiter günstigen Wachstumsaussichten in Euroland habe der Euro schon in den vergangenen Tagen leicht zugelegt. "Es ist nicht unklug, in den Trend hinein zu intervenieren", glaubt auch Ullrich Beckmann von der Deutschen Bank. "Das war zeitlich sehr geschickt", betonte Commerzbank-Volkswirt Peter Pietsch. "Das Eis ist zwar noch dünn, aber es sollte peu a peu nach oben gehen", gab sich Pietsch für die weitere Entwicklung des Eurokurses zuversichtlich.

Uwe Angenendt, Chef-Volkswirt der BHF Bank meint, dass die EZB zur Unterstützung des Trends in nächster Zeit auch noch ein wenig an der Zinsschraube drehen könnte. Der Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank, Martin Hüfner, empfiehlt der Europäischen Zentralbank weitere Interventionen. Es komme jetzt darauf an nachzuhaken. Die Europäische Zentralbank müsse nun den Märkten deutlich machen, dass sie ein weiteres Absacken des Eurokurses nicht mehr zulassen werde.

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