Wirtschaft : Euro: Die Gemeinschaftswährung baut ihre Kursgewinne auf 91 Cent aus

Zunehmende Sorgen über die US-Wirtschaftslage haben dem Euro am Mittwoch einen neuen Höhenflug beschert. Die Gemeinschaftswährung stieg auf über 0,91 Dollar - den höchsten Stand seit Mitte März. US-Präsidialamt und US-Finanzministerium bekräftigten dennoch, an der Politik eines starken Dollar festzuhalten. Die Warnung des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor wirtschaftlichen Ungleichgewichten in den USA und weiteren Kursverlusten des Greenback vom Dienstagabend sorgte für anhaltende Dollar-Verkäufe. Auf die Industrieproduktiosdaten reagierte der Dollar kaum.

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Der Euro kommt Trotz der jüngsten Kursverluste der US-Valuta halten die USA an einer Politik des starken Dollar fest. "Unsere Haltung ist unverändert", sagte Ari Fleischer, Sprecher des US-Präsidialamtes. Auch das US-Finanzministerium hatte kurz zuvor bekräftigt: "Es gibt keine Änderung der Dollar-Politik." In den vergangenen Wochen hatte die Aussage des US-Präsidenten George W. Bush, der starke Dollar habe auch Nachteile für die US-Wirtschaft, für Unsicherheit an den Finanzmärkten über die weitere Währungspolitik der USA gesorgt.

"Der Dollar ist nicht mehr so stark gefragt wie er einmal war", sagte John Hazelton, Händler bei der PNC Bank. "Der Zustand der US-Wirtschaft ist nicht so rosig, wie man geglaubt hatte." Die etwas stärker als erwarteten Daten zur US-Industrieproduktion für Juli hätten die trüben Aussichten der US-Konjunktur nur geringfügig aufhellen können, sagten Analysten. Die Industrieproduktion in den USA ging im Juli im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozent zurück. Damit sank die Produktion im zehnten Monat in Folge. Die Kapazitätsauslastung schrumpfte im Berichtsmonat auf 77,0 Prozent von revidiert 77,2 Prozent im Juni.

Wie schon am Vortag machten Händler auch den pessimistischen US-Konjunkturbericht des IWF für die Kursverluste des Dollar verantwortlich. Die IWF-Volkswirte schreiben in ihrem am Dienstagabend veröffentlichten US-Konjunkturbericht, dass das hohe US-Leistungsbilanzdefizit auf längere Sicht nicht haltbar sei und zu einer starken Abwertung des Dollar führen könnte. Unter normalen Umständen haben Konjunkturberichte des IWF Händlern zufolge kaum Auswirkungen auf den Devisenmarkt. "Es gab nichts wirklich Überraschendes in dem IWF-Report - das hatte mehr mit dem Zeitpunkt als mit dem Inhalt zu tun", sagte Derek Halpenny von Bank of Tokio-Mitsubishi. "Dass der Markt so heftig reagiert hat, zeigt, wie extrem negativ der Dollar derzeit gesehen wird", sagte Shahab Jalinoos von UBS Warburg.

Der Dollar gab auch gegen andere Währungen weiter nach. Gegen die japanische Währung markierte er ein neues Zwei-Monatstief unter 120 Yen. Damit kamen am Markt wieder Spekulationen über mögliche Interventionen zugunsten der japanischen Währung auf. Der Dollar fiel gegen den Schweizer Franken auf den tiefsten Stand seit fünf Monaten und gegen das britische Pfund auf ein Drei-Monatstief.

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